Pfnüsel, Struuche, Niiffe, Rüüme und Consorten

Den „Pfnüsel“, hochdeutsch ,Schnupfen‘, kennt man in der Nord- und Nordostschweiz, seine Verwandten „Pflüsel“ und „Gflüsel“ im Solothurnischen sowie „Chnüsel“ in der Innerschweiz. Es gibt in- und ausserhalb der Schweiz viele weitere Wörter, die ganz ähnlich klingen und ganz Ähnliches bedeuten, z. B. „pfnuuse“ mit der Bedeutung ,hörbar atmen‘ in der Nordostschweiz, „pfnausen“ ,keuchen‘ im österreichischen Kärnten, „fnysa“ bzw. „fnyse“ ,schnauben‘ in Skandinavien, „gefnesan“ ,niesen‘ im Altenglischen oder „fnehan“ ,schnaufen‘ im Althochdeutschen. Es handelt sich dabei um sogenannt lautmalerische Wörter, Begriffe also, deren Bedeutung direkt durch den Klang vermittelt werden soll.

Mancherorts in der Ostschweiz, besonders in der Südostschweiz, wird für den Schnupfen hingegen „Struuche“, „Struuchel“ und ähnlich gesagt. Das Wort ist am ehesten mit dem allerdings nur sporadisch bezeugten „struuch“ verwandt, das ,rauh‘ bedeutet.

Auch die Oberwalliser (und von daher ein Teil der Bündner Walser) kennen ein eigenes Wort, nämlich „Niiffa“ (bzw. „Niffa“, „Niiffu“, „Niffu“, „Niiffe“), die Deutschfreiburger wiederum sagen „Nööscha“. Ersteres sicher, vielleicht auch letzteres sind Lehnwörter aus dem benachbarten Frankoprovenzalisch, wo die Erkältung „nifia“, „nefa“, „nicha“ (mit schweizerischem /ch/ ausgesprochen) heisst. Auch dieses Wort ist vermutlich lautmalerisch, man vergleiche hierzu unser deutsches „schniefen“, „schnüffeln“ und „Schnupfen“.

Auf eine vierte Art sind die Berner erkältet: Ihr „Rüüme“ ist standardfranzösisches „rhume“ ,Katarrh, Erkältung‘, das seinerseits von griechisch „rheuma“ ,Strömung‘ stammt. Ursprünglich ein vornehmes, einen unschönen Zustand verhüllendes Wort der Berner Aristokratie, ist es heute normalsprachlich geworden.

(9. Januar 2013, CL)

 

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