Wortgeschichten

Tschoope (Schoope)

Das Wort der Woche ist der „Tschoope" oder „Schoope", wie man, vom Bernbiet und der Nordwestschweiz abgesehen, dem Veston (Sakko, Herrenjackett) sagt. Das Idiotikon kann den „schopen" schon für das Jahr 1330 aus einer Schaffhauser Quelle belegen. Es handelt sich dabei um eine sehr frühe Entlehnung von italienisch „giubba". Das Italienische hat das Wort seinerseits aus dem Arabischen übernommen, wo die „ğubba" ein langes Obergewand ist. Übrigens g...
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Cervelat

Das Wort zum 1. August ist der oder die Cervelat, die Schweizer Nationalwurst, hierzulande (anders als in Frankreich!) eine Brühwurst aus Rindfleisch, Schwarten und Speck. Das Wort geht via das Französische und Italienische auf lateinisch „cerebellum" 'Gehirn, Hirn' zurück, womit auch schon gesagt ist, was die Wurst ursprünglich enthielt. Die frühere Schweizer Nationalhymne „Heil dir, Helvetia" (die mit der Melodie von „God save the Queen" gesung...
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Chlüppli, Chlüpperli, Chlupperli

Wort der Woche ist das zürcherische und ostschweizerische „Chlüppli, Chlupperli, Chlüpperli", die Wäscheklammer. Es handelt sich dabei um eine Verkleinerungsform von „Chluppe", zangenartiges, festklemmendes Gerät. Letztlich gehört unser Wort zu mundartlich „chlüübe", kneifen, das seinerseits auf althochdeutsch „kliuban", spalten, zurückgeht – die „Urchluppen" und „Urchlüppli" waren schlicht ein gespaltenes Stück Holz.
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Maleschlössli (Maler-, Malet-, Malze-, Mare-, Marfel-, Made-, Maneschlössli)

Das Wort der Woche bzw. zur Bade- und Reisesaison ist das „Male-, Maler-, Malet-, Malze-, Mare-, Marfel-, Made- oder Maneschlössli" – das Vorhängeschloss, womit man ein Garderobekästchen oder einen Koffer sichert. Wie schon die Vielfalt der Varianten (hier werden nur die wichtigsten aufgelistet) zeigt, ist das erste Glied des Wortes seit langem undurchsichtig geworden. Zugrunde liegt mittelhochdeutsch „malche", was 'Reisesack, Reisetasche' bedeut...
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Bänne, Benne

Das Wort der Woche ist die „Bänne" oder „Benne", die das ein- oder zweirädrige Transportgerät bezeichnet, oft auch nur den offenen Kasten auf einem solchen Karren – und heute auch scherzhaft ein altes Auto meint. Es handelt sich dabei um ei nes der wenigen ursprünglich keltischen Wörter, die es geschafft haben, in den Nachfolgesprachen und -dialekten bis in unsere Gegenwart zu überdauern, und ist eine Erinnerung an die hohe Professionalität der K...
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Bünzli

Das Wort der Woche ist der „Bünzli". Ursprünglich ein Zürcher Familienname, der entweder auf mittelhochdeutsch „bin[e]z" (= Binse, grasartige Sumpfpflanze) oder auf mittelhochdeutsch „punze" (= geeichtes Weinfässchen) zurückgeht, hat das Wort im 20. Jahrhundert die Bedeutung „Spiessbürger" bekommen. Ausgangspunkt hierfür dürfte die ordentliche und sparsame Züs Bünzlin aus Gottfried Kellers Novelle „Die drei gerechten Kammacher" (1856) sein. Die p...
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Lins, wi cha de Fisel tschaane!

Das „Wort der Woche" präsentiert zur Abwechslung einmal etwas aus der Sprache der Schweizer Fahrenden: „Lins, wi cha de Fisel tschaane!" bedeutet „schau, wie kann der Bub rennen!" „Linse" ist sprachgeschichtlich unsicher, vgl. allenfalls bairisch „linsen" = lauschen, horchen. „Fisel" kommt von mittelhochdeutsch „visel" = Penis. Und „tschaane" geht auf romanisch „dschal" = er/sie/es geht, reist zurück.  Quelle: Hans-Jörg Roth: Jenisches Wörte...
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Pfifolter

Wort der Woche: Was im Mittelland der „Summervogel" ist, heisst im alpinen Raum „Pfifolter" und ähnlich: der Schmetterling. In diesem Wort, das in der Lautung „fifaltar(a)" schon althochdeutsch vorkommt, steckt ein redupliziertes (d.h. eine verdoppelte Stammsilbe aufweisendes) "Falter". Urnerisch „Fliggholter", schwyzerisch „Zwifalter" und sarganserländerisch „Pipolter" sind weitere Umformungen dieses nicht mehr durchsichtigen Wortes. Ob der Falt...
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tschuute (tschutte, schuute, schutte)

Das Wort der Woche ist – wie könnte es anders sein! – „tschuute" (oder „tschutte", „schuute", „schutte"), Fussball spielen. Es kommt von englisch „to shoot" = „schiessen; den Ball kicken", und erinnert daran, dass der Fussballsport aus England in die Schweiz gekommen ist. Auch die Namen einiger der ältesten Fussballclubs sind englisch, man denke etwa an den „Grasshopper Club Zürich" (gegründet 1886), die „Old Boys Basel" (1894) oder die Berner „Y...
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(v)ergalschtere, (v)ergelschtere

​Das Wort der Woche: „(v)ergalschtere" oder „(v)ergelschtere" kommt in vielen Bedeutungsnuancen vor, zum Beispiel bedeutet „sich ergelschtere" sich ereifern, sich aufregen, oder „vergelschteret" meint verblüfft, fassungslos, verwirrt. Die älteste Bedeutung aber ist „verzaubern, verhexen". Im mittelalterlichen Deutsch gab es ein Wort „galster", das „(Zauber-)Gesang" bedeutete und zu einem Verb „galan" mit der Bedeutung „singen" (besonders „Zauberf...
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gheie/ghyye

Das Wort der Woche: „gheie/ghyye" hat eine der verrücktesten Bedeutungsentwicklungen hinter sich. Althochdeutsch („hiwen") bedeutete es „heiraten". Hieraus hat sich die Bedeutung „begatten" ergeben, die in der älteren Sprache gut belegt ist . „Begatten" kann leicht zum Schimpfwort werden – so wurden die alten Schweizer „Küe-Gehyer", also „Kuh-Beischläfer", gescholten –, und hieraus entwickelte sich die allgemeinere, heute aber veraltete Bedeutung...
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Gänterli

Das Wort der Woche ist das „Gänterli". Dieses vornehmlich innerschweizerische Wort für Küchenschrank ist eigentlich die Verkleinerungsform von „Gänter", was Gitter bedeutet. Das „Gänterli" war also ursprünglich ein mit Gitterwerk versehener Kasten. „Gänter" seinerseits geht zurück auf lateinisch „cantherius", ein Wort für Dachsparren oder Sparren als Fassunterlage. 
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Ammedyysli

Das Wort der Woche ist das „Ammedyysli", baseldeutsch für Pulswärmer. Es kommt von französisch „amadis", wo es den engen Hemd- oder Halbärmel bezeichnet. Laut Walther von Wartburgs „Französischem Etymologischem Wörterbuch" (Band XXIV) wurden solche Ärmel im Gefolge der 1684 uraufgeführten, von Jean-Baptiste Lully komponierten Oper „Amadis" populär, in welcher die Hauptfigur dieses Kleidungsstück trug. Thema der Oper waren die Heldentaten und Tuge...
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Marienkäfer

Das Wort der Woche: Für einmal keine Worterklärung, sondern eine Liste aller (?) Dialektausdrücke, die das Schweizerdeutsche für den Marienkäfer kennt: Himelgüegeli, Himels-Tierli, Jesus-Tierli, Herrgotts-Chäferli, Herrgotts-Tierli, Herrgot tsgüegeli, Lieberherrgotts-Chäferli, Lieberherrgotts-Tierli, Liebgottchäferli, Liebgotttierli, Liebgottchüeli, Heereloobeli, Muetergottes-Chäferli, Muetergottesgüegeli, Mueterchäferli, Frauechäferli, Frauetier...
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Buttischifra

Das Wort der Woche: Dem Büstenhalter sagen die Walliser im Scherz „Buttitschifra". „Butti" ist ein ursprünglich ammensprachlicher Begriff für die weibliche Brust. „Tschifra" ist ein Lehnwort aus dem Lombardischen und bezeichnet den traditionellen, aus Weidenruten geflochtenen Korb, der an zwei Bändern auf dem Rücken getragen wird.
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Appenzeller Biber

Das Wort der Woche: Hat die Appenzeller Lebkuchenspezialität namens „Biber" etwas mit dem gleichnamigen Nagetier zu tun? Nein. Der essbare „Biber" ist aus „Biberzelten" oder „Biberfladen" gekürzt und hiess im Spätmittelalter „Bimen(t)zelten". Der Wortbestandteil „Biment" geht zurück auf lateinisch „pigmentum", was „Nelkenpfeffer", also ein Gewürz, bedeutet.
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welsch

Das Wort der Woche: „Welsch" meint westschweizerisch, französisch (vgl. „wallonisch" in Belgien), älter auch italienisch, rätoromanisch. Ursprünglich bedeutete das Wort „keltisch" (vgl. englisch „Welsh", walisisch); es geht letztlich auf den gallischen Volksstamm der Volcae zurück. Übrigens: „Walensee" bedeutet „See bei den Welschen", denn dort lag früher die deutsch-rätoromanische Sprachgrenze. 
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(ume)plegere

Das Wort der Woche: Sitzen oder liegen wir faul herum, dann tun wir „(ume)plegere". Das schöne Wort hat eine weniger schöne Herkunft: „Plegere" geht auf „Blag" zurück, ein altes Wort für Tierleiche, Aas, Kadaver. „Plegere" meint somit eigentlich „in Fäulnis übergehen", „dahinsiechen".
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Uustag, Huustage & Langsi, Lanzig

Das Wort der Woche: „Uustag" oder „Huustage" sowie „Langsi" oder „Lanzig" sind schweizerdeutsche Wörter für Frühling. Ersteres meint ursprünglich „Tag, an dem der Winter aus ist" (die Interpretation als „Haustage" zeigt, dass das Wort nicht mehr verstanden wurde). Letzteres ist eine Ableitung zu „lang" und meint wörtlich „Jahreszeit, in der die Tage länger werden".  
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