Wortgeschichten

Hafechääs

„Hafechääs" ist ein Wort, das wir heute in der Bedeutung „Blödsinn, Quatsch, Mist" gebrauchen. Die ursprüngliche Bedeutung kennen wir aus Quellen des 16. bis 19. Jahrhunderts. So erklärte beispielsweise der Zürcher Lexikograph Josua Maaler in seinem Wörterbuch „Die Teütsch spraach" von 1561 den „hafenkäß" mit „alter fauler käß. So man stücklin von altem käß in ein hafen zuosamen legt, und weyn darüber schütt, und also laßt graaten und in einander...
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Sirach und sirache

Zwei schöne Ausdrücke, die in unserer kleinen Schimpfserie nicht fehlen dürfen, sind „Sirach" und „sirache". Die beiden Wörter gehen auf das biblische bzw. apokryphe Buch Jesus Sirach zurück, in dem mehrfach zur Sanftmut gemahnt und vor Streit gewarnt wird. Offenbar wurden die Weisheiten im Buch Jesus Sirach und vor allem die Warnung vor Streit so häufig gepredigt, dass sich der Name Sirach verselbständigt hat und seither stellvertretend für Zank...
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Cheib und Chog

Diese Woche geht es um den „Cheib" und den „Chog". Beide Wörter kennen in der Mundart eine recht vielfältige und schillernde Anwendung: Mit „Souchog" und „fuule Cheib" werden Menschen beschimpft. Sagt die Mutter zu ihrem gewitzten Kleinen „bisch es Chögli", meint sie das jedoch anerkennend-liebkosend, vom Tadel ist fast nichts mehr spüren. Im Ausruf „verreckte Cheib" kommt wiederum unverhüllte Überraschung zum Ausdruck. Und in „cheibeschöön" und ...
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Gaggelaari

Das Wort der Woche ist der „Gaggelaari", ein dummer Schwätzer, ein Nichtsnutz, ein Dummkopf. Es handelt sich dabei um eine Zusammensetzung aus „Laari" = langsamer, alberner Mensch, das seinerseits abgeleitet ist vom Verb „laare" oder „laale" = dumm schwatzen, sich einfältig gebärden, und vom Verb „gagge" oder „gaggele" = gackern; stottern; dumm reden. Das Idiotikon hatte kürzlich eine Anfrage, ob der „Gaggelaari" ein Schimpfwort sei. Nun – höflic...
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Wimmet und wimmen

Er hat schon angefangen: der „Wimmet", „Wüm(m)et", „Wimlet" oder „Wümlet", und viele fleissige Leute stehen in den Rebbergen, um zu „wimme", „wüm(m)e", „wimle" oder „wümle". So sagt man in der östlichen Hälfte der Deutschschweiz und, räumlich isoliert, in der Variante „wimde, wimdu" auch im Wallis dem Ernten der Trauben. In den andern Landesgegenden spricht man hingegen von „läse" und „Läset" oder von „herbschte" und „Herbscht". Das Verb „wimme" ...
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Finken

Das Wort der Woche ist die schweizerdeutsche Bezeichnung für die Hausschuhe. Belegt sind die „Finken", um die es hier geht, erstmals in einer alemannischen Glosse des 13. Jahrhunderts; sie werden dort mit „eine Art Fussbekleidung der Mönche" erklärt. Das Wort stammt vermutlich von spätlateinisch „fico", Plural „ficones", und dürfte aus der Klostersprache des Hochmittelalters in unsere Mundarten gelangt sein. Woher allerdings dieses „fico" kommt, ...
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Hundenamen im Jahre 1504

Wie nannte man vor fünfhundert Jahren seinen Hund? Auskunft gibt der sogenannte Zürcher Glückshafenrodel von 1504. Ein Glückshafen war das, was wir heute Lotterie nennen, und um die eigenen Gewinnchancen zu erhöhen, liess man nicht nur sich selbst, sondern oft auch alle Familienangehörigen, das Gesinde und sogar die Haustiere namentlich in das Verzeichnis eintragen. Im Folgenden führen wir eine repräsentative Auswahl aus rund achtzig Hundenamen a...
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Chnuupesaager (Chnuppesaager)

Das Wort der Woche ist der „Chnuupe-" oder „Chnuppesaager", was „Geizhals, Rappenspalter" bedeutet. Ein „Chnuupe" oder „Chnuppe" ist ein Knollen, und ein „Saager" ist der Besitzer einer Säge, ein Sägmüller. Diesem wurde vielfach eine Neigung zum Geiz nachgesagt. Er soll die kleinsten „Chnuupe" noch einmal zersägt haben, um selbst aus dem geringsten Holzstück einen kleinen Gewinn zu erwirtschaften. Ganz ähnliche Wortbildungen sind „Chümisaager", „...
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Chilbi

Das Wort der Woche ist zu Ehren der in dieser Jahreszeit vielerorts stattfindenden Chilbenen die „Chilbi", die schweizerische Bezeichnung für den Jahrmarkt und den Rummelplatz. „Chilbi" geht zurück auf altalemannisch „kilchwîhi", bedeutet also ursprünglich „Kirchweihe". Die heutigen Chilbenen sind terminlich oft von den alten Kirchweihtagen losgelöst; dass aber etwa der Termin des Zürcher Knabenschiessens mit seiner grossen Chilbi auf das zweite ...
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tschegge

Das Wort der Woche ist „tschegge", kapieren. Wie wir alle wissen, steckt das englische „to check" dahinter. Allerdings: Das englische Verb kennt die Bedeutung „begreifen" gar nicht, es bedeutet vielmehr „anhalten, hemmen, prüfen". Seine Grundbedeutung ist jedoch der Ruf, der unserem deutschen „Schach!" entspricht; "to check" meint also ursprünglich „Schach bieten". Letztlich geht das Wort zurück auf persisch „shâh", zu deutsch „König". (mit ...
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löie (lüe, lüwe, liwwe)

Das heutige Wort der Woche ist „löie", „lü(w)e" oder „liwwe", wie die Berner, Entlebucher, Freiburger und westlichen Deutschwalliser für „ausruhen" sagen. Für die Sprachwissenschafter ein schwieriges Wort! Zwar finden wir es auch in Quellen des 15., 16. und 17. Jahrhunderts belegt, aber weiter zurück ist es schwierig zu verfolgen. Falls es im Wallis seit alters vorkommt, warum haben die um 1200 ausgewanderten Walser dann statt „liwwe" das althoch...
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Landjäger

Passend zur Wandersaison ist das Wort der Woche der „Landjäger". Diese geräucherte und luftgetrocknete Wurst ist kein zu Fleisch verarbeiteter Polizist (früher „Landjäger" genannt), sondern es liegt wahrscheinlich eine Umdeutung aus „lang tige" vor. Das Dialektwort „tige" (eigentlich identisch mit hochdeutsch „gediegen") bedeutet im Schweizerdeutschen „getrocknet, gedörrt, geräuchert". Eine andere, ebenfalls von „tige" ausgehende Umdeutung zeigt ...
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Tschoope (Schoope)

Das Wort der Woche ist der „Tschoope" oder „Schoope", wie man, vom Bernbiet und der Nordwestschweiz abgesehen, dem Veston (Sakko, Herrenjackett) sagt. Das Idiotikon kann den „schopen" schon für das Jahr 1330 aus einer Schaffhauser Quelle belegen. Es handelt sich dabei um eine sehr frühe Entlehnung von italienisch „giubba". Das Italienische hat das Wort seinerseits aus dem Arabischen übernommen, wo die „ğubba" ein langes Obergewand ist. Übrigens g...
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Cervelat

Das Wort zum 1. August ist der oder die Cervelat, die Schweizer Nationalwurst, hierzulande (anders als in Frankreich!) eine Brühwurst aus Rindfleisch, Schwarten und Speck. Das Wort geht via das Französische und Italienische auf lateinisch „cerebellum" 'Gehirn, Hirn' zurück, womit auch schon gesagt ist, was die Wurst ursprünglich enthielt. Die frühere Schweizer Nationalhymne „Heil dir, Helvetia" (die mit der Melodie von „God save the Queen" gesung...
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Chlüppli, Chlüpperli, Chlupperli

Wort der Woche ist das zürcherische und ostschweizerische „Chlüppli, Chlupperli, Chlüpperli", die Wäscheklammer. Es handelt sich dabei um eine Verkleinerungsform von „Chluppe", zangenartiges, festklemmendes Gerät. Letztlich gehört unser Wort zu mundartlich „chlüübe", kneifen, das seinerseits auf althochdeutsch „kliuban", spalten, zurückgeht – die „Urchluppen" und „Urchlüppli" waren schlicht ein gespaltenes Stück Holz.
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Maleschlössli (Maler-, Malet-, Malze-, Mare-, Marfel-, Made-, Maneschlössli)

Das Wort der Woche bzw. zur Bade- und Reisesaison ist das „Male-, Maler-, Malet-, Malze-, Mare-, Marfel-, Made- oder Maneschlössli" – das Vorhängeschloss, womit man ein Garderobekästchen oder einen Koffer sichert. Wie schon die Vielfalt der Varianten (hier werden nur die wichtigsten aufgelistet) zeigt, ist das erste Glied des Wortes seit langem undurchsichtig geworden. Zugrunde liegt mittelhochdeutsch „malche", was 'Reisesack, Reisetasche' bedeut...
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Bänne, Benne

Das Wort der Woche ist die „Bänne" oder „Benne", die das ein- oder zweirädrige Transportgerät bezeichnet, oft auch nur den offenen Kasten auf einem solchen Karren – und heute auch scherzhaft ein altes Auto meint. Es handelt sich dabei um eines der wenigen ursprünglich keltischen Wörter, die es geschafft haben, in den Nachfolgesprachen und -dialekten bis in unsere Gegenwart zu überdauern, und ist eine Erinnerung an die hohe Professionalität der Ke...
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Bünzli

Das Wort der Woche ist der „Bünzli". Ursprünglich ein Zürcher Familienname, der entweder auf mittelhochdeutsch „bin[e]z" (= Binse, grasartige Sumpfpflanze) oder auf mittelhochdeutsch „punze" (= geeichtes Weinfässchen) zurückgeht, hat das Wort im 20. Jahrhundert die Bedeutung „Spiessbürger" bekommen. Ausgangspunkt hierfür dürfte die ordentliche und sparsame Züs Bünzlin aus Gottfried Kellers Novelle „Die drei gerechten Kammacher" (1856) sein. Die p...
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Lins, wi cha de Fisel tschaane!

Das „Wort der Woche" präsentiert zur Abwechslung einmal etwas aus der Sprache der Schweizer Fahrenden: „Lins, wi cha de Fisel tschaane!" bedeutet „schau, wie kann der Bub rennen!" „Linse" ist sprachgeschichtlich unsicher, vgl. allenfalls bairisch „linsen" = lauschen, horchen. „Fisel" kommt von mittelhochdeutsch „visel" = Penis. Und „tschaane" geht auf romanisch „dschal" = er/sie/es geht, reist zurück. Quelle: Hans-Jörg Roth: Jenisches Wörter...
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Pfifolter

Wort der Woche: Was im Mittelland der „Summervogel" ist, heisst im alpinen Raum „Pfifolter" und ähnlich: der Schmetterling. In diesem Wort, das in der Lautung „fifaltar(a)" schon althochdeutsch vorkommt, steckt ein redupliziertes (d.h. eine verdoppelte Stammsilbe aufweisendes) "Falter". Urnerisch „Fliggholter", schwyzerisch „Zwifalter" und sarganserländerisch „Pipolter" sind weitere Umformungen dieses nicht mehr durchsichtigen Wortes. Ob der Falt...
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