E gueti bzw. Käi gueti Falle mache

E Falle mache findet sich im ersten Band des Schweizerischen Idiotikons, der in den frühen 1880er-Jahren erarbeitet wurde, aus Basel bezeugt, und als Bedeutungsangabe steht daneben «betrübtes Gesicht». Zumindest heute kennt man den Begriff natürlich in der ganzen Deutschschweiz. Betrachten wir Wendungen, die das Gleiche bedeuten, dann kommen wir der ursprünglichen Meinung von Falle auf die Schliche: Das Wort «Lätsch» in Er macht en Lätsch bedeutet eigentlich «Schlinge, Schlaufe», das heisst, das krumme Maul erinnert ein bisschen an den nach unten geöffneten Bogen einer Schlaufe (siehe Wortgeschichte vom 22. März 2017). Das synonyme er hänkt s Muul wiederum spielt auf die heruntergezogenen, «hangenden» Gesichtszüge an. Die Verwendung von Falle in der Wendung e (truurigi) Falle mache dürfte also von den «fallenden» Zügen einer betrübten Miene herkommen.

Seit dem 20. Jahrhundert wird die Wendung aber auch auf das Verhalten und auf Sachen übertragen: S macht e schlächti Falle, wänn d mit eso dräckige Schue umelaufsch bringt zum Ausdruck, dass ungepflegte Schuhe «einen schlechten Eindruck» hinterlassen, oder Das Möbel macht gar ekäi Falle bedeutet: «Dieses Möbel passt überhaupt nicht hierher». Zudem kann sie heute auch ins Positive gewendet werden: Er hät e gueti Falle gmacht! «er hat ein positives Auftreten, hat Eindruck geschindet», s Möbel macht e gueti Falle! «es sieht super aus, passt prima ins Zimmer». Mit den ursprünglichen «fallenden Gesichtszügen» hat das natürlich gar nichts mehr gemein – und die einst klare Bedeutung von Falle ist inzwischen völlig verdunkelt.

(30. Mai 2018, CL)

 

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