Illustration von Tizian Merletti

Sucht man im Schweizerischen Idiotikon das Wort «Herd», findet man zwar das gut schweizerdeutsche Häärd mit der Bedeutung «Erde, Erdboden» – aber keine Spur vom Ding, auf dem man kocht: 1890, als der Wortartikel Hërd (wie er etymologisch korrekt angesetzt ist) verfasst wurde, war den damaligen Redaktoren die Bedeutung «(Koch-)Herd» zu modern, um ins Wörterbuch aufgenommen zu werden. Unter den darauffolgenden Zusammensetzungen findet sich immerhin der Füürhërd «Feuerherd», versehen mit der vielsagenden Anmerkung, dass das Wort zwar «eine weitere, aber sehr sporadische Verbreitung» habe und «wohl fast durchwegs als moderner Eindringling zu betrachten» sei.

Tatsächlich unterscheiden gewisse Mundarten bis heute zwischen einem Wort mit der einheimischen Lautung Häärd, womit die «Erde», der «Erdboden» bezeichnet wird, und der Importlautung Herd, die für den Kochherd steht. Ältere Schweizer Wörter für die Stelle, wo man kocht, sind Chouscht/Chuuscht, Äschblatte, Füürblatte, Füürstatt, Füürwäärch und Träche.

Im Alt- und Mittelhochdeutschen hatte hërd beide Bedeutungen, sowohl «Herd» als auch «Erde, Erdboden». Während sich in Deutschland und Österreich die erstere Bedeutung durchsetzte, war es in der Alemannia die letztere. Aber auch vielen heutigen Schweizerinnen und Schweizern dürfte inzwischen nur noch die mit dem Schriftdeutschen übereinstimmende Bedeutung bekannt sein.