Illustration von Tizian Merletti

Für die Schweizer Gliedstaaten gab und gibt es viele Namen: Stadt, Land, Ort, Stand, Staat – und natürlich Kanton.

Das früheste Zeugnis für die Verwendung von «Kanton» beziehungsweise «canton» für einen eidgenössischen «Ort» stammt aus einer Freiburger Akte von 1475 (nach anderer Quelle von 1467). Am Anfang von «Kanton» steht aber lateinisch canthus, was «Radreifen» bedeutet – ein Wort, das ursprünglich wohl dem Keltischen angehörte. Später wurde die Bedeutung «Reifen» über die Zwischenbedeutung «Reifenrand» zur ganz allgemeinen Bezeichnung für den «Rand» überhaupt – eine Bedeutung, die als canto im Italienischen, Spanischen, Portugiesischen sowie als Lehnwort auch im Deutschen (Kante) und Niederländischen (kant) zu finden ist; auch im Kanton Graubünden wimmelt es nur so von cons, die auf Kanten und Anhöhen im Gelände Bezug nehmen. Vom «Rand» ausgehend, kann ein canto aber auch eine «Ecke», ein «Winkel» und schliesslich ein «Stück», ein «Teil» sein. Ein grosser canto ist ein cantone, und in dieser Form dient das Wort in Oberitalien seit dem 11. Jahrhundert zur Bezeichnung eines «grossen Stücks Landes» oder besser eines «Landesteils». Die Norditaliener brauchten cantone aber nicht nur für ihre eigenen Landesteile, sondern auch für diejenige der damaligen schweizerischen Eidgenossenschaft, und es waren wohl lombardische Kaufleute, die das Wort schliesslich im 15. Jahrhundert nach Freiburg und Genf brachten, wo es als canton ins Französische und von hier schliesslich als Kanton ins Deutsche gelangte.