Illustration von Tizian Merletti

Onlinedating ist die moderne Form des Kontaktknüpfens mit der Absicht, eine Beziehung einzugehen – ein Profil auf einer Plattform ersetzt dabei die gedruckte Kontaktanzeige. Aber nicht nur die Technik unterliegt einem Wandel, auch Sprache entwickelt sich immer weiter, und so unterscheidet sich die Ausdrucksweise solcher Profile von jener klassischer Anzeigen: Da kann man etwa häufiger lesen, Mister oder Miss Right seien gesucht, der oder die Richtige. Kaum noch die Rede ist dagegen von Eheanbahnung, zumal die Beziehung ja auch viel unverbindlicher bleiben kann. Das illustrieren auch Mister und Miss Right now, nämlich Personen, mit denen man sich (sexuell) vergnügen will: sofort (und nicht notwendigerweise mit der Absicht der Wiederholung). Im Deutschen waren die Anglizismen Mister und Miss Right bis vor Kurzem ungebräuchlich. Der Oxford English Dictionary definiert sie als «the right person, the destined husband or wife» und führt als Erstbeleg «I suppose I'm not the Mr. Right of her affections» aus einem Text von 1860 an.

Nicht verloren gegangen ist im Lauf der Zeit aber die Idee der einen, richtigen Person fürs Leben. In St. Gallen und in Appenzell nannte man diese «angenehme Person» scherzhaft auch Füegli, etwa in der Redensart Der Herr Füegli (oder: ds Füeglis Tochter) chunnt spoot, was so viel bedeutet wie «der geeignete, passende Freier (oder die Braut) kommt spät zum Vorschein» – so gebraucht vielleicht von den Eltern einer Person im heiratsfähigen Alter, die sich mit der Partnerwahl zu viel Zeit liess oder zu anspruchsvoll war. Dieser missbilligende Ton schwingt in der Suche nach Mister und Miss Right natürlich nicht mehr mit.

Der sprichwörtliche Füegli lehnt sich vielleicht an tatsächlich existierende Familiennamen an: Schon im 16. Jahrhundert ist in Basel ein Hans Füeg belegt, und heute noch gibt es die Solothurner Familie Füeg und den Richterswiler Namen Fügli (ausgesprochen Füegli). Wie diese Namen beruht Herr Füegli auf dem Adjektiv füeglich «wohlgefällig, angenehm, passend, angemessen, hübsch». Das Adjektiv seinerseits ist eine Ableitung von Fueg «glückliche Fügung» bzw. von füege «(z. B. Bretter) aneinanderpassen, passend verbinden». Schon in einem Bruderklausenspiel von 1601 wird füege bildlich für die Verbindung zweier Menschen durch die Ehe verwendet, wenn die Eltern des Paars «jren pfarherren heissendt kon, der beide zuosamen verfüeg». Ebenfalls in die Wortfamilie gehört das standarddeutsche Fuge «Verbindungsstelle zweier passender Teile». Letztlich ist also trotz allen Unterschieden des Sprachgebrauchs Herr Füegli dasselbe wie Miss Right: eine Person, die passt, wenn auch weniger im physischen als im emotionalen oder sozialen Sinn.