Wortgeschichten

Lawine, Föhn und Rüfi - Gemeinromanisches im Schweizerdeutschen

Manche romanische Lehnwörter sind im Schweizerdeutschen so verbreitet und so alt, dass man sie nicht aus den romanischen Einzelsprachen herleiten kann, sondern auf eine diesen Sprachen gemeinsame Grundlage zurückführen muss. Die „Laui" oder „Lau[w]ene" oder „Laubene" (Lawine) geht auf alpinromanisch „lavina" zurück, worin seinerseits lateinisch „lābi", gleiten, steckt. Der „Föhn" (warmer, oft stürmischer Fallwind, Südwind; seit rund hundert Jahren auch in der Bedeutung elektrischer Haartrockner) kommt von vulgärlateinisch „faōniu", einer Ableitung von lateinisch „fovēre", wärmen. „Lawine" und „Föhn" wurden dank Friedrich Schillers „Wilhelm Tell" zum unbestrittenen Bestandteil der gesamtdeutschen Standardsprache. Immerhin ins Schweizerhochdeutsche geschafft hat es die „Rüfi" (Schutt- und Schlammlawine), dialektal auch „Rufi" oder (eigentlich am richtigsten) „Rufine". Das Wort basiert auf alpinromanisch „ruvina" und ist damit sprachgeschichtlich identisch mit „Ruine"; beide haben ihren Ausgang in lateinisch „ruere", stürzen.

An dieser Stelle müssen wir unsere kleine Romanismen-Serie unterbrechen, denn die Saison verlangt nächste Woche ein ganz bestimmtes „Wort der Woche"...

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