Wortgeschichten

Einkaufen zum Zweiten – das «unnütze» Geldausgeben: verdüderle, verplämperle, vertüppele & Co.

Der Batzen vom Grosi oder vom Götti will am Kiosk gut investiert sein: Wie viele Kaugummis gibts dafür? Oder doch besser ein Heftli? Oder Zuckerschlangen? Oder reicht es für alles zusammen? Dem Rat zum Trotz, sich das Geld einzuteilen, ist der Batzen bei den Kindern meist auf einen Schlag weg.

Sein Geld für unnötige Kleinigkeiten auszugeben – die einen würden gar von verschwenden sprechen –, dafür finden sich im Schweizerischen Idiotikon einige Wörter: verchraame, verchräämerle, verdüderle, vergänggele, vergänggerle, vergumpe, vernarrle, verpämperle, verplämperle, verplämpämerle, vertölple, vertänterle, vertundele, vertüppele, vertue …

Gemeinsam ist diesen Wörtern nicht nur die Bedeutung, sondern es lassen sich auch gleiche Wortbildungsmuster erkennen: So weisen alle Verben die Vorsilbe ver- auf, die in diesem Fall ausdrückt, dass etwas weggeht (Musterbeispiel dafür ist der Unterschied zwischen choufe und verchoufe). Zudem kann man bei den meisten Verben die Endung -(e)le/-erle ausmachen. Diese verleiht der ausgedrückten Tätigkeit einen kindlichen, niedlichen Anstrich, kann aber auch mangelnde Ernsthaftigkeit betonen (wie beispielsweise bei schäffele). Gelegentlich bringt die Endung -(e)le/-erle ausserdem eine wiederkehrende oder länger andauernde Tätigkeit zum Ausdruck (wie bei zmörgele).

Gemeinsamkeiten zeigen auch die zugrunde liegenden Benennungsmotive: So lassen sich einige Grundwörter auf die (Klein-)Ware beziehen (so Chram, Tand), andere auf Bezeichnungen für blödsinnige, unseriöse Menschen resp. ihr Verhalten (Ganggel, Narr, Tölpel, Tüppel, Gepamp, Plamp). Gerade die lautmalerischen Bildungen mit -gangg- oder -pamp- mit ihren Varianten (verpämpere, verplämpere, verplämpämerle) zeugen von einem sprachspielerischen Umgang mit den Benennungen.

Einige der aufgelisteten Wörter bezeichnen nicht bloss das unnütze Geldausgeben bei Kindern, sondern ebenso bei Erwachsenen, und einige werden auch verwendet, um das unnütze Zeitverbringen zu benennen.

Wohl unabhängig vom Alter der Käufer verzeichnet das Schweizerische Idiotikon für die Stadt Bern das Wort verschöggele (= Geld für Schokolade vergeuden). Weiter verbreitet und hoffentlich nur im Zusammenhang mit Erwachsenen in Gebrauch ist das Wort verschöpple (schöpple = (hin und wieder) ein Schöpplein (Wein) trinken (und so langsam ein Trinker werden)). Oder wahrscheinlich eher: Es war in Gebrauch. Lautlich ähnlich kann man aber auch heute noch Geld unnütz ausgeben, wenn man nämlich seinen Lohn vershoppt...

Pitta
Einkaufen zum Ersten – das «sinnvolle» Geldausgebe...

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