Illustration: Tizian Merletti

Wenns wieder kalt ist, freut man sich abends über ein warmes Bett. Damit das Bettzeug einen nicht mit Eiseskälte empfängt, legt man etwa eine mit heissem Wasser gefüllte Bettfläsche aus Gummi oder Metall ins Bett und wärmt es vor.

Klassischer ist die Bettpfanne: laut Schweizerischem Idiotikon ein «trommelförmiges hohles Kupfergeschirr mit Stiel, das mit glühenden Kohlen gefüllt im Bette hin- und hergezogen wird, um es zu wärmen». Eine solche Pfanne wird schon in einem Zürcher Haushaltsinventar von 1609 erwähnt. Wer beim Hantieren damit nicht aufpasst, riskiert, sein Bett in Brand zu stecken.

Da ist es vielleicht besser, einen Chriesi- oder Steisack anzuwenden, das ist ein «mit Kirschsteinen gefüllter [Stoff-]Sack als Bettwärmer». Dieser wird vorgängig in einem Fach im Ofen erhitzt. Die in den Steinen gespeicherte Wärme soll er dann möglichst lang im Bett abgeben.

Viel schöner als das Bett mit aufgewärmten Gegenständen zu heizen, ist es aber doch, es mit einem lebendigen Bettgenossen, einer warmen Schlafpartnerin zu teilen. Was aber, wenn so jemand nicht zugegen ist? Da hilft nur, sich der Illusion hinzugeben und eines der oben genannten Wärmgeräte zu vermenschlichen. Von der March bis ins St. Galler Rheintal und in Graubünden wird der Kirschsteinsack daher Chriesimaa genannt (und auch etwa als menschliche Figur verziert), in Bern heisst ein Bettwärmer auch Sami und Buebeli, in Basel, Bern und Zürich auch Münch «Mönch». Sami (von Samuel) scheint auf einen imaginären Liebhaber anzuspielen, Münch ganz im Gegensatz dazu auf die Enthaltsamkeit einer Person, die ihr Bett eben nicht mit einem Liebhaber, sondern mit einem braven Mönch teilt, Buebeli vielleicht auf Bueb im Sinn von «Dienstknabe», also einen jungen Mann, der einem die Aufgabe des Bettwärmens abnimmt.

Und wieso sind all diese Bezeichnungen männlich? Dazu die Erklärung des Schweizerischen Idiotikons in der Anmerkung zu Chriesimaa: «Besonders vom zartern Geschlecht gebraucht und daher wohl das Wort ursprünglich mit scherzhafter Anspielung gebildet», will heissen: Frauen sind kälteempfindlicher, und die meisten Frauen träumen eben von einem Mann unter ihrer Decke.

 

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