Wortgeschichten

Kanton

Illustration von Tizian Merletti
Für die Schweizer Gliedstaaten gab und gibt es viele Namen: Stadt, Land, Ort, Stand, Staat – und natürlich Kanton. Die früheste offizielle Bezeichnung für die Glieder der Eigenossenschaft war «Stett und Lender». – Stadt kann man heute nicht mehr auf einen Kanton anwenden, da die damaligen Reichsstädte Zürich, Bern, Luzern usw. heute nur noch gewöhnliche Gemeinden sind. – Land lebt hingegen in einigen Kantonen weiter, die eine «Landsgemeinde», ein...
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Spatzig

Nein, mit dem Spatz, dem Sperling, hat Spatzig natürlich nichts zu tun. Das Wort kennt Varianten wie Spaazig, Spaazis und Spaazi, womit wir dem Ursprung näher kommen: Es geht auf italienisch spazio zurück, was «Raum, Platz», auch «Zwischenraum», «Abstand», «Zeitspanne», «Zeitraum» bedeutet; zugrunde liegt lateinisch spatium mit den gleichen Bedeutungen. Die ursprünglichste der schweizer­deutschen Lautungen ist also Spaazi . Die Variante mit dem s...
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Mach nöd eso en Lätsch!

En Lätsch mache heisst «missmutig den Mund verziehen», lätsche meint «den Mund zum Weinen verziehen; weinen», und ein Brüel(l)ätsch ist ein «oft und laut weinendes Kind». Das Wort Lätsch hat eine überraschende Verwandtschaft: den Latz und das Lasso . Alle drei gehen letztlich auf lateinisch laqueus «Schlinge, Fallstrick» zurück, haben also gemeinsame Grosseltern – aber nicht gemeinsame Eltern. Im Spanischen wurde lateinisch laqueus zu lazo, was n...
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Warum die Deutschschweizer/innen bei Regenwetter mit dem Sonnenschirm unterwegs sind

Was war im 19. Jahrhundert das volkstümlichste schweizerdeutsche Wort für den Regen schirm? Der Para sol – beziehungsweise seine dialektalen Ausformungen Baresol, Barisool, Parisool, Barisaal, Parisoo, Pärisou, Parisold, Pardisool und Pärdisool . Zu dieser verqueren Terminologie dürfte es gekommen sein, weil der Regenschirm aus dem Sonnenschirm entstanden ist – und letzterer lange Zeit viel üblicher war. Erste Regenschirme gab es in der Schweiz z...
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tschau, Binätsch, Fazeneetli und anderes Italienisches im Schweizerdeutschen

Heute kommen wir zu einigen italienischen Lehnwörtern im Schweizerdeutschen. Wir können hier zwei Gruppen unterscheiden: Jüngere, die über Gastarbeiter in die Schweiz gekommen sind, und ältere, die auf Handelsbeziehungen mit der Lombardei verweisen. Zur ersten Gruppen gehört der Abschiedsgruss (oder das Begrüssungswort) „tschau". Es geht auf eine Dialektvariante von italienisch „schiavo", Sklave, zurück und ist eigentlich eine Verkürzung der Wend...
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patschifig, Schgaffa, Schgarnutz und anderes Rätoromanisches im Schweizerdeutschen

Die Facebook-Kollegen vom Dicziunari Rumantsch Grischun, dem rätoromanischen Pendant des Idiotikons, haben kürzlich eine Serie mit deutschen Lehnwörtern im Bündnerromanischen präsentiert. Die folgende Zusammenstellung bietet nun eine kleine Auswahl an Wörtern, die im deutschsprachigen Bündner Rheintal, in den Bündner Walserdialekten sowie im Sarganserland und im Werdenberg vorkommen und aus dem Romanischen entlehnt sind (bei Wörtern wie „Spiina" ...
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Lawine, Föhn und Rüfi - Gemeinromanisches im Schweizerdeutschen

Manche romanische Lehnwörter sind im Schweizerdeutschen so verbreitet und so alt, dass man sie nicht aus den romanischen Einzelsprachen herleiten kann, sondern auf eine diesen Sprachen gemeinsame Grundlage zurückführen muss. Die „Laui" oder „Lau[w]ene" oder „Laubene" (Lawine) geht auf alpinromanisch „lavina" zurück, worin seinerseits lateinisch „lābi", gleiten, steckt. Der „Föhn" (warmer, oft stürmischer Fallwind, Südwind; seit rund hundert Jahre...
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Tschoope (Schoope)

Das Wort der Woche ist der „Tschoope" oder „Schoope", wie man, vom Bernbiet und der Nordwestschweiz abgesehen, dem Veston (Sakko, Herrenjackett) sagt. Das Idiotikon kann den „schopen" schon für das Jahr 1330 aus einer Schaffhauser Quelle belegen. Es handelt sich dabei um eine sehr frühe Entlehnung von italienisch „giubba". Das Italienische hat das Wort seinerseits aus dem Arabischen übernommen, wo die „ğubba" ein langes Obergewand ist. Übrigens g...
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Cervelat

Das Wort zum 1. August ist der oder die Cervelat, die Schweizer Nationalwurst, hierzulande (anders als in Frankreich!) eine Brühwurst aus Rindfleisch, Schwarten und Speck. Das Wort geht via das Französische und Italienische auf lateinisch „cerebellum" 'Gehirn, Hirn' zurück, womit auch schon gesagt ist, was die Wurst ursprünglich enthielt. Die frühere Schweizer Nationalhymne „Heil dir, Helvetia" (die mit der Melodie von „God save the Queen" gesung...
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