Wortgeschichten

Drittes Geschlecht: Zwick, Stack und Bidibeidi

Seit das deutsche Bundesverfassungsgericht die rechtliche Anerkennung eines dritten Geschlechts gefordert hat, ist das Stichwort inter/divers in aller Munde. Uneindeutige Geschlechtsmerkmale gab es natürlich schon vorher. Zur Benennung von Menschen dieser Geschlechtsausprägung griff man einfach auf Bezeichnungen für tierische Zwitter oder Hermaphroditen zurück: Ein Zwick m./n. ist ein «Tier mit uneindeutigen Geschlechtsmerkmalen». Da solche Tiere...
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Lööl (Löu), Lööli

Der Lööli oder Lööl (bzw. Löu ) oder auch Lool ist bekanntlich ein Dummkopf, ein Einfaltspinsel. Was die Herkunft des Wortes angeht, denkt man an einen losen Zusammenhang mit der lautmalerischen Wortfamilie von lallen «undeutlich sprechen» und lullen «leise singen». Früher sprach man auch vom Lollbruder und vom Lollhart, beides spöttische Begriffe für einen (ungelehrten) Mönch. Das Wort ist schon seit mehreren Jahrhunderten geläufig. Der älteste ...
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Waggis

Der Waggis ist eine der beliebtesten Figuren an der Basler Fasnacht. Er stellt dort, ausgestattet mit einer übergrossen Nase, einen elsässischen Taglöhner in der Werktagstracht eines Gemüsebauern dar. Woher das Wort kommt, ist allerdings umstritten. Alte Quellen fehlen; erstmals schriftlich belegt findet sich der Waggis im Jahre 1870 in der Schweizer Zeitschrift «Gwunderchratte». Das Wort kommt in den Varianten Waggis, Wagges, Wackes und ähnlich ...
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Dibidäbi

Die Idiotikon-Redaktion wird von Zeit zu Zeit angefragt, woher die scherzhafte Bezeichnung Dibidäbi für den Appenzeller stamme. Das Wort fehlt in unserem Wörterbuch, doch im Nachtragsmaterial haben wir eine erste Anfrage von 1939, in der es heisst, dass das Wort im St. Gallischen üblich sei. Leider hat sich die Antwort nicht erhalten. Spätere Belege kommen auch aus den Kantonen Zürich und Bern. Eine traditionelle Worterklärung, die immer wieder a...
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Chind, Bueb und Meitli – zum heutigen Weltjugendtag

Heute ist der Internationale Tag der Jugend. Die einschlägigen Wortartikel im Idiotikon wurden um 1900 herum verfasst und reflektieren einige eigentümliche Ansichten über die nachwachsende Generation. Hier ein paar Müsterchen: Morgens früh beim Heraustreten aus der Haustür einem Buben zu begegnen, galt in Stammheim für ein gutes Omen. D Mäitschi und Abrellewätter sind veränderli, hiess es im Luzernischen. Im Emmental bedeuteten Buben für die Pati...
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Sirach und sirache

Zwei schöne Ausdrücke, die in unserer kleinen Schimpfserie nicht fehlen dürfen, sind „Sirach" und „sirache". Die beiden Wörter gehen auf das biblische bzw. apokryphe Buch Jesus Sirach zurück, in dem mehrfach zur Sanftmut gemahnt und vor Streit gewarnt wird. Offenbar wurden die Weisheiten im Buch Jesus Sirach und vor allem die Warnung vor Streit so häufig gepredigt, dass sich der Name Sirach verselbständigt hat und seither stellvertretend für Zank...
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Cheib und Chog

Diese Woche geht es um den „Cheib" und den „Chog". Beide Wörter kennen in der Mundart eine recht vielfältige und schillernde Anwendung: Mit „Souchog" und „fuule Cheib" werden Menschen beschimpft. Sagt die Mutter zu ihrem gewitzten Kleinen „bisch es Chögli", meint sie das jedoch anerkennend-liebkosend, vom Tadel ist fast nichts mehr spüren. Im Ausruf „verreckte Cheib" kommt wiederum unverhüllte Überraschung zum Ausdruck. Und in „cheibeschöön" und ...
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Gaggelaari

Das Wort der Woche ist der „Gaggelaari", ein dummer Schwätzer, ein Nichtsnutz, ein Dummkopf. Es handelt sich dabei um eine Zusammensetzung aus „Laari" = langsamer, alberner Mensch, das seinerseits abgeleitet ist vom Verb „laare" oder „laale" = dumm schwatzen, sich einfältig gebärden, und vom Verb „gagge" oder „gaggele" = gackern; stottern; dumm reden. Das Idiotikon hatte kürzlich eine Anfrage, ob der „Gaggelaari" ein Schimpfwort sei. Nun – höflic...
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Chnuupesaager (Chnuppesaager)

Das Wort der Woche ist der „Chnuupe-" oder „Chnuppesaager", was „Geizhals, Rappenspalter" bedeutet. Ein „Chnuupe" oder „Chnuppe" ist ein Knollen, und ein „Saager" ist der Besitzer einer Säge, ein Sägmüller. Diesem wurde vielfach eine Neigung zum Geiz nachgesagt. Er soll die kleinsten „Chnuupe" noch einmal zersägt haben, um selbst aus dem geringsten Holzstück einen kleinen Gewinn zu erwirtschaften. Ganz ähnliche Wortbildungen sind „Chümisaager", „...
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Bünzli

Das Wort der Woche ist der „Bünzli". Ursprünglich ein Zürcher Familienname, der entweder auf mittelhochdeutsch „bin[e]z" (= Binse, grasartige Sumpfpflanze) oder auf mittelhochdeutsch „punze" (= geeichtes Weinfässchen) zurückgeht, hat das Wort im 20. Jahrhundert die Bedeutung „Spiessbürger" bekommen. Ausgangspunkt hierfür dürfte die ordentliche und sparsame Züs Bünzlin aus Gottfried Kellers Novelle „Die drei gerechten Kammacher" (1856) sein. Die p...
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