Wortgeschichten

Heimweh

Illustration von Tizian Merletti
Angeblich ist das Heimweh die Nationalkrankheit der Schweiz – höchste Zeit, ihm eine Wortgeschichte zu widmen! Die frühesten Belege für «Heimweh», die das Schweizerische Idiotikon zitiert, stammen aus dem 17. Jahrhundert. In einem sogenannten Schimpfbuch von 1651 heisst es: «[Andere,] die auch ußert dem Vatterland sind, als da sind Soldaten und Handtwercksgesellen, [...] kömm etwann das Heimwee so starck an, daß si daran sterbind.» Interessant is...
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Wenn Trunkenbolde den Murtenpsalm singen und Vielfrasse tälleren

Wer über die vergangenen Feiertage zu viel gegessen hatte, litt danach womöglich an Übelkeit oder Nausea . Der Bildhaftigkeit des lateinischen Fachausdrucks, von griechisch nautía «Seekrankheit», stehen die Dialekte keineswegs nach, wenn es um die Folgen von Übelkeit, das Erbrechen, geht. Schon im 16. Jahrhundert verzeichnet Josua Maaler in seinem Wörterbuch die Redewendung em Ueli rüeffe «sich erbrechen». Laut dem Schweizerischen Idiotikon geht ...
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Ansteckende Krankheiten: Ettiker, Serbet, Sundersiechtum, Muselsucht – und die Chäferli

Schwulenpest nannten noch vor Kurzem manche Aids politisch ganz unkorrekt. Heute hat die Krankheit, obwohl immer noch nicht heilbar, ihren Schrecken weitgehend eingebüsst, und der eine oder die andere spricht euphemistisch von einem Chäferli, das Angesteckte aufgelesen oder eingefangen haben. Ins Idiotikon haben es weder Schwulenpest noch Chäferli geschafft, weil es die Krankheit noch nicht gab, als die entsprechenden Bände erschienen. Chäferli k...
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Wenns im Tram nebenan grogget, ghückt, hürchlet, chälzet und würchlet...

… ist es wieder Winter und die Deutschschweiz beim Husten vereint. Zugegeben, heute sagen wir vermutlich alle einfach hueste . Dabei wäre es ganz praktisch, wenn wir in der Arztpraxis ein genaueres Vokabular hätten, um die unterschiedlichen Hustenarten zu benennen. Als da wären: Der allgemeine, unspezifische Hueste, früher auch Wueste, in Wohlen AG Würchel . In seiner trockenen Form hiess er im Berner Oberland Chnütscher, im Aargau dagegen Gauzer...
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Chuenagel (Unagel, Unigler, Hornagel, Hurnigel)

Der Winter ist die Zeit, in der man den „Chuenagel" (oder „Chunagel", „Unagel", „Unigler", „Hornagel", „Hurnagel", „Hurnigel") haben kann: den stechenden Schmerz in den Fingerspitzen, den man fühlt, wenn man bei eiskaltem Wetter in die warme Stube tritt. Im hintern Teil des Wortes steckt vermutlich ein Wort für „spitzig", man vergleiche etwa „Agle" oder „Agne" (Hanf- oder Flachssplitter, Spelze, Tannennadel), „Ägerschte" (Elster, eigentlich „die ...
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Pfnüsel, Struuche, Niiffe, Rüüme und Consorten

Den „Pfnüsel", hochdeutsch ,Schnupfen', kennt man in der Nord- und Nordostschweiz, seine Verwandten „Pflüsel" und „Gflüsel" im Solothurnischen sowie „Chnüsel" in der Innerschweiz. Es gibt in- und ausserhalb der Schweiz viele weitere Wörter, die ganz ähnlich klingen und ganz Ähnliches bedeuten, z. B. „pfnuuse" mit der Bedeutung ,hörbar atmen' in der Nordostschweiz, „pfnausen" ,keuchen' im österreichischen Kärnten, „fnysa" bzw. „fnyse" ,schnauben' ...
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