Wortgeschichten

Von fliegenden Eiern

Illustration von Tizian Merletti
Brunch, Eiertütsche, Osternestersuche im Garten und dann ein Spaziergang – so feiert die durchschnittliche Familie in der Deutschschweiz heute Ostern. Früher aber, da kannte man eine ganze Reihe weit aufregenderer Vergnügungen zum Frühlingsbeginn an Ostern. Aus dem Prättigau berichten verschiedene Autoren, dass je nach Schneeverhältnissen auf dem Platz oder auf einer Wiese Gemeinschaftsspiele der Ledigen stattfanden. In Furna spielten die Hornuss...
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Pitta

Illustration von Tizian Merletti
Der Jahreswechsel war und ist mit verschiedenen Bräuchen verbunden. Dazu gehören bestimmte Neujahrsgebäcke, die man den Kindern schenkte und den Gästen offerierte, die kamen, um das Neujahr anzuwünschen. Das Idiotikon nennt den Bümmel , einen braunen Honigfladen, den Zupfewegge in Zeiningen, den Tirggel in Schaffhausen, das Tüübli in Bern, das Schnäggli und das Spätzli im Zürcher Weinland, die verbruet Schlange in Zürich, den Ring in Lutzenberg, ...
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Herbstzeit – nicht nur Zwätschge-, sondern auch Chrieli-, Steifrüümli-, Palöögli-, Wärdasche-Zeit

Viele DeutschschweizerInnen sind stolz darauf, dass sie im Gegensatz zu Norddeutschen Zwetschgen und Pflaumen auseinanderhalten können. In wissenschaftlicher Terminologie wird zwar zwischen den beiden unterschieden, aber vor allem hierarchisch: Prunus ist der Name eine Untergattung der Steinobst­gewächse, die wiederum in verschiedene Sektionen unterteilt ist, deren eine ebenfalls Prunus oder deutsch Pflaume heisst – Pflaume (Prunus domestica) ist...
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Vom Guetjahr und der Helsete sowie (un)anständigen Neujahrswünschen

Heute konzentriert sich das um die Wintersonnenwende übliche Schenken auf Weihnachten. Früher gab es (und gibt es da und dort noch heute) eine ganze Reihe möglicher Geschenktermine – Nikolaustag, Heiligabend, Weihnachtstag, Neujahrstag und Dreikönigstag. Wohl ganz verschwunden sind die traditionellen Namen für das, war wir heute einfach Gschänk oder Gschänkli nennen: die Helsete, der Helstag und, besonders sprechend, das Guetjahr oder Guetjohr . ...
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Wienachtsguetsli (oder -guetsi, -güetsi, -gueteli, -gutzi) – die Klassiker

Mailänderli Die Bezeichnung Mailänderli und ähnlich für den bekanntesten Klassiker der Deutschschweizer Weihnachtsbäckerei sind schon bald 300 Jahre alt. Unter dem Namen Gâteau de Milan erscheinen die ersten Mailänderlirezepte im 18. Jahrhundert in Berner und Basler Kochbüchern. Im 19. Jahrhundert war in Bern dafür die Bezeichnung Miläänli verbreitet. Ob die Namengebung etwas mit der Herkunft des Gebäcks zu tun hat, ist ungewiss. Herkunftsnamen w...
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Wie einem der heilige Andreas in die Zukunft schauen hilft

Für «Andreas» kennt das Schweizerdeutsche viele Varianten: Andrees, Anerees, Andreies, Andreia, Andris, Ändri, Änderli, Ändi, Drees, Rees, Reesel, Reesi, Nanzi... Am 30. November ist Andreastag – beziehungsweise dialektal Zantandreeschtagg (Wallis), Andreesetag (Nidwalden) oder Za[n]tanderschtig, Sätanderschtig (Prättigau). Bis ins 18. Jahrhundert hinein galt er als Termin für die Entrichtung von Zinsen und Zehnten. Er bot und bietet aber auch zu...
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Der Sechseläutenböögg und andere Bööggen

Jeden April wird am Zürcher Sechseläuten der Böögg verbrannt, ein auf einem zehn Meter hohen Holzhaufen stehender, mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllter Schneemann. Bevor der Böögg im 19. Jahrhundert eine Angelegenheit der Zünfter wurde, trugen Knaben aus den verschiedenen Quartieren solche den Winter darstellenden Strohpuppen zur Schau durch die Stadt und verbrannten sie anschliessend. Das Wort ist oder war auch ausserhalb Zürichs bekannt und...
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Nikolaus, Christkind, Weihnachtskind, Neujahrkind, Mutti, Pelzer & Santa Claus

Jetzt zieht es wieder durch die Lande: das Chrischtchindli oder Wienechtschindli, wie es in den reformierten Teilen der westlichen Deutschschweiz aus religionspuristischen Gründen genannt wird. Oder ist es, wie uns Weihnachtsbeleuchtung und Werbung glauben machen wollen, allenfalls doch eher Santa Claus? Will man sich über die Identität des Gabenbringers in der Schweiz informieren, lohnt es sich, einen Blick ins Schweizerische Idiotikon – das nic...
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Altweibersommer

Die herrlichen Herbsttage, die wir zur Zeit geniessen dürfen, sind schriftsprachlich als Altweibersommer bzw. verbreitet dialektal als Altwybersummer (-sommer) bekannt. Andere schweizerdeutsche Begriffe sind oder waren das Maartissümmerli (Appenzell, Bern, Schaffhausen, Uri, Wallis), das Witwesümmerli (Graubünden) und der Noosummer bzw. -sommer (Aargau, Appenzell, Basel, St. Gallen, Schaffhausen, Thurgau, Zürich). Die letztgenannte Bezeichnung, d...
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Hundstage

Nun fangen sie wieder an, die Hundstage! Es sind nicht die hechelnden Hunde, die den kommenden Wochen den Namen gegeben haben, sondern das Sternbild des Grossen Hundes. In einem Zürcher Lustspiel von 1550 über den Philosophen Diogenes heisst es, „das er nitt der hunden einer syge, die uff erden sind, sonder der hund am himel, von dem die hundstag genembt werden". In Aarau war man 1758 so vernünftig, dass man den Schulkindern „in den Hundstagen, s...
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Es schneielet, es beielet...

In den nächsten Tagen soll's ja wieder aktuell werden: „Es schneielet, es beielet, es gaat en chüele Wind..." – das Liedlein kennen alle. Doch was bedeutet „beiele"? Ist es nur ein kindersprachliches Reimwort oder doch mehr? Es ist natürlich mehr: „beiele" ist eine Ableitung von „Bii(j)i, Bei(j)i, Biili, Bei(j)eli", schweizerdeutsch für Biene. Die tanzenden Schneeflocken werden also mit schwärmenden Bienen verglichen, ein Bild, das naheliegt, wen...
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Berchtoldstag

Besonders im Grossraum Zürich und im Gebiet des alten Bern (heute Bern, Waadt, westlicher Aargau) kennt man ihn: den Berchtoldstag, dialektal „Bächteli(s)tag", „Berchteli(s)tag", „Berteli(s)tag" oder „Bärzeli(s)tag". In der Berner und Zürcher Tradition fällt er auf den 2. Januar, im thurgauischen Frauenfeld auf den dritten Montag im Januar. Doch wer ist Berchtold? Einen Heiligen dieses Namens gibt es nicht, und die Kantone, die den Tag begehen, s...
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Grättimaa, Grittibänz, Hanselmaa und Elggermaa

Heute wenden wir uns, wen erstaunt's, den schweizerdeutschen Wörtern für den Teigmann zu, den man am 6. Dezember verzehrt. Am verbreitetsten ist der Grittibänz, die Basler kennen den  Grättimaa, die Luzerner und Solothurner hatten zumindest früher den  Hanselimaa oder  Hanselmaa, und in der Region Winterthur–Unterthurgau–Stein ist oder war der Elggermaa zu Hause. Grätte und gritte bedeuten beide «die Beine spreizen; grätschen».&nbs...
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Wimmet und wimmen

Er hat schon angefangen: der „Wimmet", „Wüm(m)et", „Wimlet" oder „Wümlet", und viele fleissige Leute stehen in den Rebbergen, um zu „wimme", „wüm(m)e", „wimle" oder „wümle". So sagt man in der östlichen Hälfte der Deutschschweiz und, räumlich isoliert, in der Variante „wimde, wimdu" auch im Wallis dem Ernten der Trauben. In den andern Landesgegenden spricht man hingegen von „läse" und „Läset" oder von „herbschte" und „Herbscht". Das Verb „wimme" ...
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Uustag, Huustage & Langsi, Lanzig

Das Wort der Woche: „Uustag" oder „Huustage" sowie „Langsi" oder „Lanzig" sind schweizerdeutsche Wörter für Frühling. Ersteres meint ursprünglich „Tag, an dem der Winter aus ist" (die Interpretation als „Haustage" zeigt, dass das Wort nicht mehr verstanden wurde). Letzteres ist eine Ableitung zu „lang" und meint wörtlich „Jahreszeit, in der die Tage länger werden".  
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