Wortgeschichten

Runzival

Ein wunderschönes und zugleich geheimnisvolles Berner Wort ist der „Runzival". „Im Runzival sy" oder „i Runzival choo" meint „in der Klemme, in arger Verlegenheit, in (ökonomischen, sozialen, moralischen) Schwierigkeiten sein" bzw. in solche kommen. Wer als Literatur- oder Musikkenner einen fernen Anklang an den Parzival heraushört, liegt gar nicht so falsch: Auch der Runzival hat mit altfranzösischer und mittelhochdeutscher Literatur zu tun, näm...
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Norwegisches in der Skisprache

Die Schneeverhältnisse verlocken noch immer zum Wintersport – deshalb im Folgenden etwas zur Ski- und Langlaufsprache! Deren Basiswortschatz ist norwegisch, kein Wunder, wenn man bedenkt, dass wir das Skifahren aus Norwegen übernommen haben. „Ski" ist norwegisch für „Scheit" bzw. dann auch für „Schneeschuh" (eigentlich ein flaches Scheit, das man sich an die Füsse schnallt, um sich besser auf dem Schnee fortbewegen zu können). Die Schweden schrei...
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Chuenagel (Unagel, Unigler, Hornagel, Hurnigel)

Der Winter ist die Zeit, in der man den „Chuenagel" (oder „Chunagel", „Unagel", „Unigler", „Hornagel", „Hurnagel", „Hurnigel") haben kann: den stechenden Schmerz in den Fingerspitzen, den man fühlt, wenn man bei eiskaltem Wetter in die warme Stube tritt. Im hintern Teil des Wortes steckt vermutlich ein Wort für „spitzig", man vergleiche etwa „Agle" oder „Agne" (Hanf- oder Flachssplitter, Spelze, Tannennadel), „Ägerschte" (Elster, eigentlich „die ...
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Gänggeliwaar

Vom letztwöchigen „Gschmöis" kommen wir nun zur „Gänggeliwaar" (oder „Ganggeli-", „Ganggerli-", „Gänggerli-", „Gäggeli-", „Gääggeliwaar" bzw. „-züüg"), was Kleinkram, Krimskrams, wertloses oder unnötiges Zeug, billiger Schmuck bedeutet. Nicht selten hört oder liest man, das Wort gehe auf französisch „quincaille" = Haus- und Küchengeräte, Eisenwaren zurückt. Dem ist aber nicht so. Das Schweizerdeutsche kennt eine grosse Wortfamilie mit Begriffen w...
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Gschmöis

Beim Wort „Gschmöis" scheint man geradezu herauszuhören, worum es geht: lauter wertloses, unnützes Zeug. Diese Bedeutung hat sich aber erst nach und nach entwickelt. „Gschmöis" ist eine – sogenannte Rundung (vgl. etwa „heischen" > „höische") aufweisende – Variante von „Gschmeiss", welches seinerseits eine Kollektivbildung zu „Schmeiss" ist. Dieses „Schmeiss" wiederum gehört zum Verb „schmeissen", werfen. „Gschmöis" bedeutete also ursprünglich ...
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Es schneielet, es beielet...

In den nächsten Tagen soll's ja wieder aktuell werden: „Es schneielet, es beielet, es gaat en chüele Wind..." – das Liedlein kennen alle. Doch was bedeutet „beiele"? Ist es nur ein kindersprachliches Reimwort oder doch mehr? Es ist natürlich mehr: „beiele" ist eine Ableitung von „Bii(j)i, Bei(j)i, Biili, Bei(j)eli", schweizerdeutsch für Biene. Die tanzenden Schneeflocken werden also mit schwärmenden Bienen verglichen, ein Bild, das naheliegt, wen...
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Pfnüsel, Struuche, Niiffe, Rüüme und Consorten

Den „Pfnüsel", hochdeutsch ,Schnupfen', kennt man in der Nord- und Nordostschweiz, seine Verwandten „Pflüsel" und „Gflüsel" im Solothurnischen sowie „Chnüsel" in der Innerschweiz. Es gibt in- und ausserhalb der Schweiz viele weitere Wörter, die ganz ähnlich klingen und ganz Ähnliches bedeuten, z. B. „pfnuuse" mit der Bedeutung ,hörbar atmen' in der Nordostschweiz, „pfnausen" ,keuchen' im österreichischen Kärnten, „fnysa" bzw. „fnyse" ,schnauben' ...
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Berchtoldstag

Besonders im Grossraum Zürich und im Gebiet des alten Bern (heute Bern, Waadt, westlicher Aargau) kennt man ihn: den Berchtoldstag, dialektal „Bächteli(s)tag", „Berchteli(s)tag", „Berteli(s)tag" oder „Bärzeli(s)tag". In der Berner und Zürcher Tradition fällt er auf den 2. Januar, im thurgauischen Frauenfeld auf den dritten Montag im Januar. Doch wer ist Berchtold? Einen Heiligen dieses Namens gibt es nicht, und die Kantone, die den Tag begehen, s...
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Wüetisheer

Namentlich in den zwölf Nächten zwischen Weihnachts- und Dreikönigstag zieht es durch einsame Gegenden oder mitten durch Häuser, teils lärmend und schreiend, teils begleitet von Jagdrufen und Hundegebell, teils von geisterhaft lockender Musik: das Wüetisheer. Es handelt sich dabei um einen Zug armer Seelen, manchmal auch um ein einzelnes Gespenst. Im ersten Wortbestandteil steckt der germanische Gott Wuotan, was in der berndeutschen Lautung Wüeti...
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Triätschnitten

Ein altes Dessert, Zvieri oder Adventsgebäck sind die Triätschnitten: Altbackene Zopf- oder Einbackscheiben werden in einen dicken Zuckersirup oder in Eiweiss getaucht, dann mit Triätpulver (Nelken, Muskat, Sandelholz, Zimt, Macis, Anis oder Ingwer) und Puderzucker bestreut und schliesslich mit einer Weinsauce (Rotwein mit etwas Zitronenzesten, Zimt, Nelken und Zucker) übergossen. Doch was ist eigentlich „Triät", das auch in den Varianten „Träse(...
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Grättimaa, Grittibänz, Hanselmaa und Elggermaa

Illustration von Tizian Merletti
Heute wenden wir uns, wen erstaunt's, den schweizerdeutschen Wörtern für den Teigmann zu, den man am 6. Dezember verzehrt. Am verbreitetsten ist der Grittibänz, die Basler kennen den  Grättimaa, die Luzerner und Solothurner hatten zumindest früher den  Hanselimaa oder  Hanselmaa, und in der Region Winterthur–Unterthurgau–Stein ist oder war der Elggermaa zu Hause. Grätte und gritte bedeuten beide «die Beine spreizen; grätschen».&nbs...
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tschau, Binätsch, Fazeneetli und anderes Italienisches im Schweizerdeutschen

Heute kommen wir zu einigen italienischen Lehnwörtern im Schweizerdeutschen. Wir können hier zwei Gruppen unterscheiden: Jüngere, die über Gastarbeiter in die Schweiz gekommen sind, und ältere, die auf Handelsbeziehungen mit der Lombardei verweisen. Zur ersten Gruppen gehört der Abschiedsgruss (oder das Begrüssungswort) „tschau". Es geht auf eine Dialektvariante von italienisch „schiavo", Sklave, zurück und ist eigentlich eine Verkürzung der Wend...
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patschifig, Schgaffa, Schgarnutz und anderes Rätoromanisches im Schweizerdeutschen

Die Facebook-Kollegen vom Dicziunari Rumantsch Grischun, dem rätoromanischen Pendant des Idiotikons, haben kürzlich eine Serie mit deutschen Lehnwörtern im Bündnerromanischen präsentiert. Die folgende Zusammenstellung bietet nun eine kleine Auswahl an Wörtern, die im deutschsprachigen Bündner Rheintal, in den Bündner Walserdialekten sowie im Sarganserland und im Werdenberg vorkommen und aus dem Romanischen entlehnt sind (bei Wörtern wie „Spiina" ...
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Lawine, Föhn und Rüfi - Gemeinromanisches im Schweizerdeutschen

Manche romanische Lehnwörter sind im Schweizerdeutschen so verbreitet und so alt, dass man sie nicht aus den romanischen Einzelsprachen herleiten kann, sondern auf eine diesen Sprachen gemeinsame Grundlage zurückführen muss. Die „Laui" oder „Lau[w]ene" oder „Laubene" (Lawine) geht auf alpinromanisch „lavina" zurück, worin seinerseits lateinisch „lābi", gleiten, steckt. Der „Föhn" (warmer, oft stürmischer Fallwind, Südwind; seit rund hundert Jahre...
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Jeans, Chöltsch, Galli und andere Stoffnamen

Die Tuch- oder Stoffnamen zeichnen eine ganze Geographie nach. Kaum nötig zu erklären ist „Manchester" (bundesdeutsch: Cord), das an die einst blühende Textilindustrie der gleichnamigen englischen Stadt erinnert. Nur wenig bekannt dürfte hingegen sein, dass „Jeans" auf den (gleich ausgesprochenen) englischen Namen „Genes" für die italienische Handelsstadt Genua zurückgeht. „Denim", der Baumwollstoff, aus dem die ersten Jeans hergestellt wurden, m...
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Hafechääs

„Hafechääs" ist ein Wort, das wir heute in der Bedeutung „Blödsinn, Quatsch, Mist" gebrauchen. Die ursprüngliche Bedeutung kennen wir aus Quellen des 16. bis 19. Jahrhunderts. So erklärte beispielsweise der Zürcher Lexikograph Josua Maaler in seinem Wörterbuch „Die Teütsch spraach" von 1561 den „hafenkäß" mit „alter fauler käß. So man stücklin von altem käß in ein hafen zuosamen legt, und weyn darüber schütt, und also laßt graaten und in einander...
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Sirach und sirache

Zwei schöne Ausdrücke, die in unserer kleinen Schimpfserie nicht fehlen dürfen, sind „Sirach" und „sirache". Die beiden Wörter gehen auf das biblische bzw. apokryphe Buch Jesus Sirach zurück, in dem mehrfach zur Sanftmut gemahnt und vor Streit gewarnt wird. Offenbar wurden die Weisheiten im Buch Jesus Sirach und vor allem die Warnung vor Streit so häufig gepredigt, dass sich der Name Sirach verselbständigt hat und seither stellvertretend für Zank...
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Cheib und Chog

Diese Woche geht es um den „Cheib" und den „Chog". Beide Wörter kennen in der Mundart eine recht vielfältige und schillernde Anwendung: Mit „Souchog" und „fuule Cheib" werden Menschen beschimpft. Sagt die Mutter zu ihrem gewitzten Kleinen „bisch es Chögli", meint sie das jedoch anerkennend-liebkosend, vom Tadel ist fast nichts mehr spüren. Im Ausruf „verreckte Cheib" kommt wiederum unverhüllte Überraschung zum Ausdruck. Und in „cheibeschöön" und ...
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Gaggelaari

Das Wort der Woche ist der „Gaggelaari", ein dummer Schwätzer, ein Nichtsnutz, ein Dummkopf. Es handelt sich dabei um eine Zusammensetzung aus „Laari" = langsamer, alberner Mensch, das seinerseits abgeleitet ist vom Verb „laare" oder „laale" = dumm schwatzen, sich einfältig gebärden, und vom Verb „gagge" oder „gaggele" = gackern; stottern; dumm reden. Das Idiotikon hatte kürzlich eine Anfrage, ob der „Gaggelaari" ein Schimpfwort sei. Nun – höflic...
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Wimmet und wimmen

Er hat schon angefangen: der „Wimmet", „Wüm(m)et", „Wimlet" oder „Wümlet", und viele fleissige Leute stehen in den Rebbergen, um zu „wimme", „wüm(m)e", „wimle" oder „wümle". So sagt man in der östlichen Hälfte der Deutschschweiz und, räumlich isoliert, in der Variante „wimde, wimdu" auch im Wallis dem Ernten der Trauben. In den andern Landesgegenden spricht man hingegen von „läse" und „Läset" oder von „herbschte" und „Herbscht". Das Verb „wimme" ...
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