Wortgeschichten

Säit öpper öppis? ötschwär ötschis? etter ettis? näber näbis? eswär eswas? einwär einwas?

Säit öpper öppis? oder ötschwär ötschis? etter ettis? näber näbis? eswär eswas? einwär einwas? Der schweizerdeutsche Wortschatz zeigt sich im Bereich der Indefinitpronomen „jemand", „etwas", „etwa", „irgendwo", „irgendwann" und so weiter geradezu exotisch. Das verbreitete öpper ,jemand', öppis ,etwas', öppe ,etwa' bzw. epper, eppis, eppe, das werdenbergische ötschwär, ötschis, ötsche, das Glarner etter, ettis, ette und das Walliser bzw. Walser es...
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Der Sechseläutenböögg und andere Bööggen

Jeden April wird am Zürcher Sechseläuten der Böögg verbrannt, ein auf einem zehn Meter hohen Holzhaufen stehender, mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllter Schneemann. Bevor der Böögg im 19. Jahrhundert eine Angelegenheit der Zünfter wurde, trugen Knaben aus den verschiedenen Quartieren solche den Winter darstellenden Strohpuppen zur Schau durch die Stadt und verbrannten sie anschliessend. Das Wort ist oder war auch ausserhalb Zürichs bekannt und...
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Ittemeinglische – Mattenenglisch

Nach unserer Wortgeschichte über das Mattenberndeutsche, den Soziolekt der einstigen Bewohner des Berner Matte-Quartiers, gehen wir heute auf deren Geheimsprache, das Mattenenglische, ein. Die anerkannteste Version, die I-E-Sprache, ist diejenige, welche erstens die Silben der einzelnen mattenberndeutschen Wörter austauscht, zweitens das so entstandene Wort mit einem I einleitet und es drittens mit einem E abschliesst. Damit lautet der Satz Der F...
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Gieu, iu, Schwoscht und Konsorten: das Mattenberndeutsche

Gieu, iu, Chemp, Schlööf und schlööfe, Schwees oder Schwoscht, Modi, Blofer oder Blofi – Berndeutsch zeichnet sich nicht nur durch eine bemerkenswerte sprachliche Beharrungskraft, sondern auch durch eigentümliche Neuerungen aus. Viele dieser Innovationen gehen teils direkt, teils via Nachahmung auch indirekt vom einstigen Mattenberndeutsch* aus. Mattenberndeutsch war die Umgangssprache der stadtbernischen Unterschicht, die zu Füssen der Berner Al...
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Der Ginöffel ginöfflet

Zwei der wunderlichsten schweizerdeutschen Wörter sind der Ginöffel oder Ginöff einerseits und das dazugehörige Verb ginöffle anderseits. Die Bedeutung von ginöffle ist „gaffen, glotzen; mit offenem Mund dastehen, Maulaffen feilhalten; neugierig die Nase strecken", und ein Ginöff(el) ist ein „Tölpel, dummer Kerl". Die sprachgeschichtliche Herleitung ist nicht ganz einfach. Im vorderen Teil der Wörter dürfte gyne, ginne stecken, was „klaffen; das ...
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Karl der Grosse & Karl der Kühne

Am 28. Januar vor 1200 Jahren starb Karl der Grosse. Vom sagenhaften Gründer des Zürcher Grossmünsters und einstigen Stadtpatron Zürichs könnte man meinen, dass er sich auch sprachlich in Form von Wendungen und Redensarten im Zürichdeutschen verewigt habe. Das ist jedoch gar nicht der Fall; die Erinnerung an ihn beschränkt sich auf Sagen, die Karl als frommen und gerechten Herrscher zeigen, und auf die in Stein gemeisselte Figur hoch oben auf dem...
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Nikolaus, Christkind, Weihnachtskind, Neujahrkind, Mutti, Pelzer & Santa Claus

Jetzt zieht es wieder durch die Lande: das Chrischtchindli oder Wienechtschindli, wie es in den reformierten Teilen der westlichen Deutschschweiz aus religionspuristischen Gründen genannt wird. Oder ist es, wie uns Weihnachtsbeleuchtung und Werbung glauben machen wollen, allenfalls doch eher Santa Claus? Will man sich über die Identität des Gabenbringers in der Schweiz informieren, lohnt es sich, einen Blick ins Schweizerische Idiotikon – das nic...
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Zibele und Bölle

Alljährlich am vierten Montag im November findet in Bern der „Zibelemärit" statt, weshalb wir unsere heutige Wortgeschichte der Küchenzwiebel widmen. Dialektal ist die Deutschschweiz ziemlich genau zweigeteilt: In der westlichen Hälfte sagt man Zibele (Ziibele, Zübele, Züübele), in der östlichen Hälfte Bölle (Böle, Büle, Bülle, Belle). Das Westwort Zibele kam – vielleicht über die Klostersprache – aus dem Süden in die Schweiz; Grundlage ist spätl...
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Dibidäbi

Die Idiotikon-Redaktion wird von Zeit zu Zeit angefragt, woher die scherzhafte Bezeichnung Dibidäbi für den Appenzeller stamme. Das Wort fehlt in unserem Wörterbuch, doch im Nachtragsmaterial haben wir eine erste Anfrage von 1939, in der es heisst, dass das Wort im St. Gallischen üblich sei. Leider hat sich die Antwort nicht erhalten. Spätere Belege kommen auch aus den Kantonen Zürich und Bern. Eine traditionelle Worterklärung, die immer wieder a...
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Reformierte und katholische Marienkäfer

Wer hätte gedacht, dass auch Tiere reformiert, katholisch, natur- und areligiös sein können? Die Rede ist vom Marienkäfer oder Siebenpunkt. Da die Marienverehrung ganz der katholischen Konfession zugehört, wird das Wort Maria oder Muttergottes von den Reformierten gemieden. Stattdessen wird im Bestimmungswort, also im ersten Teil des Wortes, der Bezug auf Gott, Jesus, den Herrn und den Himmel genommen: Liebgott- ist im Südwestaargau und in Graubü...
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Altweibersommer

Die herrlichen Herbsttage, die wir zur Zeit geniessen dürfen, sind schriftsprachlich als Altweibersommer bzw. verbreitet dialektal als Altwybersummer (-sommer) bekannt. Andere schweizerdeutsche Begriffe sind oder waren das Maartissümmerli (Appenzell, Bern, Schaffhausen, Uri, Wallis), das Witwesümmerli (Graubünden) und der Noosummer bzw. -sommer (Aargau, Appenzell, Basel, St. Gallen, Schaffhausen, Thurgau, Zürich). Die letztgenannte Bezeichnung, d...
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Eidechse

Die Sommerferien sind vorbei, doch wer zum Beispiel im Tessin in den Ferien war, erinnert sich sicher, wie bei jedem Schritt die Eidechslein fortgehuscht sind. Das Schweizerdeutsche kennt für dieses Tier zahlreiche Namen: Eidächsli (Basel, Zürich), Heidechsli (Bern, Innerschweiz, Ostschweiz), Eidöchsli und Eidochs (Bern, Solothurn, Luzern, Aargau), Heidöchsli und Heidochs (Freiburg, Berner Oberland, Uri), Egochs (Glarus, Linthebene), Hegöchsli un...
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Chind, Bueb und Meitli – zum heutigen Weltjugendtag

Heute ist der Internationale Tag der Jugend. Die einschlägigen Wortartikel im Idiotikon wurden um 1900 herum verfasst und reflektieren einige eigentümliche Ansichten über die nachwachsende Generation. Hier ein paar Müsterchen: Morgens früh beim Heraustreten aus der Haustür einem Buben zu begegnen, galt in Stammheim für ein gutes Omen. D Mäitschi und Abrellewätter sind veränderli, hiess es im Luzernischen. Im Emmental bedeuteten Buben für die Pati...
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Hundstage

Nun fangen sie wieder an, die Hundstage! Es sind nicht die hechelnden Hunde, die den kommenden Wochen den Namen gegeben haben, sondern das Sternbild des Grossen Hundes. In einem Zürcher Lustspiel von 1550 über den Philosophen Diogenes heisst es, „das er nitt der hunden einer syge, die uff erden sind, sonder der hund am himel, von dem die hundstag genembt werden". In Aarau war man 1758 so vernünftig, dass man den Schulkindern „in den Hundstagen, s...
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Meringue

Woher kommt eigentlich das Wort Meringue (Merängg, Merängge, Meeringe)? Populär ist die Idee, der Name dieses Schaumgebäcks aus gezuckertem Eischnee sei eine Französisierung des Ortsnamens Meiringen, denn es sei ein Berner Oberländer gewesen, der es erfunden habe. Erstmals erwähnt wird das Wort allerdings in einem französischen Kochbuch von 1691 – zu einer Zeit, als die Meiringer Säumer und Bauern wohl noch anderes als gebackenen Eischnee zu sich...
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Sex wie ein Florentiner oder wie ein Winterthurer haben

Diese Woche findet in Zürich das Zurich Pride Festival statt – ihr sei diese Wortgeschichte gewidmet! Eines der wenigen Wörter im Idiotikon, die Homosexualität zum Thema haben, ist „florenzen". Es war im 16. Jahrhundert mit der Bedeutung „gleichgeschlechtlich verkehren" geläufig und bedeutet wörtlich „Sex wie in Florenz haben". Florenz war das Zentrum der Renaissance und galt damals offenbar zugleich als Zentrum schwulen Verhaltens. Der Wortartik...
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Deubelbeiss, Haudenschild und Schlaginhaufen: Familiennamen in der Form sogenannter Satznamen

Von Deubelbeiss über Haudenschild bis Schlaginhaufen: Es gibt nicht nur Familiennamen wie Roth und Müller, sondern auch solche, die ganze Sätzlein bilden. Diese sog. Satznamen bestehen aus einem Verbstamm (1. Person Singular? Befehlsform?) und in der Regel einem Substantiv im Akkusativ oder einem Adverb; dazwischen kann ein (oft verschliffener) bestimmter Artikel stehen. Viele dieser Namen waren ursprünglich wohl spöttisch gemeint, etwa Hablützel...
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rüüdig & schampar

„Lozäärn hed e rüüdig schööni Fasnacht!" Das kann nur ein Luzerner, eine Luzernerin sagen, denn „rüüdig" für „sehr" ist ein Kennwort für das Luzerndeutsche. Dieses Verstärkungswort hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Noch vor gar nicht langer Zeit hiess „rüüdig" etwas ganz anderes, nämlich „räudig, von Krätzmilben befallen, hautkrank"; der vor hundert Jahren erschienene Idiotikon-Wortartikel kennt die heutige Bedeutung noch gar nicht. E...
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Kleines ABC der Familiennamen-Deutung

Jeden Dienstag erklären Redaktoren des Idiotikons auf SRF 3 einige Familiennamen – man kann die Erklärungen übrigens jederzeit hier nachhören. Man kann aber auch selbst aktiv nachforschen! Hierzu nötig ist ein gewisses Grundwissen, was es denn überhaupt für Namentypen gibt, und der Beizug der Fachliteratur, unter anderem unseres Wörterbuchs. Im Folgenden bringen wir ein kleines ABC der schweizerischen Familiennamendeutung, und zwar anhand der Nam...
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Gemse

Das Schweizerdeutsche kennt einige Wörter, die auf eine früher hierzulande gesprochene, aber mittlerweile ausgestorbene Sprache zurückgehen. Von der keltischen „Bänne" war in unserer Rubrik schon von längerer Zeit die Rede. Ein anderes solches Wort ist die Gemse. Alle germanischen und alle romanischen Dialekte und Sprachen, die im Alpen- oder im Pyrenäenraum gesprochen werden, kennen es – und damit auch die vier Landessprachen der Schweiz. So hab...
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