Mitteilungen des Schweizerischen Idiotikons

Wir trauern um unsern verehrten ehemaligen Kollegen

Dr. phil. Dr. phil. h. c. Rudolf Trüb, 10. Mai 1922 – 28. Februar 2010

In einzigartiger Weise hat Rudolf Trüb sein Berufsleben und seine Schaffenskraft der Erforschung, der Dokumentation und der Pflege der schweizerdeutschen Mundarten gewidmet. Von 1957 bis 1987 war er Redaktor beim Schweizerischen Idiotikon. Über fünfzig Jahre lang engagierte er sich sodann unermüdlich für den Sprachatlas der deutschen Schweiz, zuerst als Explorator, dann als Bearbeiter und Mitherausgeber und schliesslich als dessen Vollender. Der Mensch und Wissenschafter Rudolf Trüb bleibt uns unvergessen.

Gerade rechtzeitig, um unter den Christbaum gelegt zu werden, ist die 15. Lieferung des 16. Bandes bzw. die 217. des Gesamtwerks herausgekommen (Wasser bis -wīs). Die ersten über sechzig Spalten sind dem Simplex Wasser und seinen Zusammensetzungen und Ableitungen gewidmet, worunter sich zahlreiche medizinische Heilwässerlein und alkoholische Destillate wie Guldi(n)wasser, Chirsiwasser oder Mueterwasser, aber auch die alpine Bezeichnung des Talflusses als Landwasser oder das volksreligiös relevante Wīhwasser befinden. Es folgen unter anderem die Wortsippen von wës/wis 'schwammig, trockenfaul, wässerig, welk' und insbesondere Wëse(n) 'Aufenthalt, Existenz, Zustand, besonderer Vorgang, Geschöpf' mit Zusammensetzungen wie Hei(m)wëse(n) und Ableitungen wie wëse(n)li(ch). Den Abschluss bilden die Wortsippen von Weis 'Waise', Weisse(n)/Weize(n) 'Weizen' (mit Zusammensetzungen von Agne[n]weisse[n] bis Wasserweisse[n]), dem Helvetismus wërweisse(n) 'unschlüssig hin und her (be-)raten', Weisang/Weisel 'Schlund', Weis(s)el 'Bausch zur Wundbehandlung' und schliesslich Wīs 'Weise' mit den hierzu fast endlos möglichen Verbindungen wie arfelwīs, chrǖzwīs, blëtzwīs, tummerwīs, die in einer repräsentativen Auswahl vorgestellt werden.

Zu den im Juni 2008 vom Deutschen Seminar der Universität Zürich (Lehrstuhl Prof. Elvira Glaser) in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Idiotikon lancierten Erhebungen liegt eine erste Auswertung vor: Auf einer grösseren Anzahl Karten wird die gegenwärtige Verbreitung ausgewählter typischer Dialektwörter präsentiert. Zieht man hierzu den Sprachatlas der deutschen Schweiz, dessen Daten einen älteren Stand wiedergeben, vergleichend bei, lässt sich die Entwicklung unseres Wortschatzes veranschaulichen.

Gleichzeitig wird eine neue Umfrage zum Schweizerdeutschen gestartet.

Der Jahresbericht steht ganz im Zeichen des zurückgetretenen Redaktors Dr. Thomas A. Hammer und enthält dessen Abschiedsvortrag «Kontinuität und Wandel im Schweizerdeutschen Wörterbuch» sowie eine Würdigung von Prof. Dr. Glatthard, dem Vizepräsidenten des Vereins für das Schweizerdeutsche Wörterbuch. Überdies informiert der Bericht über die Aktivitäten und Dienstleistungen der Redaktion und unterrichtet über den Publikationsstand, die Mitarbeiter, die Administration des Unternehmens und die neuen Onlinedienstleistungen. Im Anhang enthält er eine Bibliographie der wissenschaftlichen Neuerscheinungen zum Schweizerdeutschen.

Der Jahresbericht kann beim Sekretariat des Schweizerdeutschen Wörterbuchs, Auf der Mauer 5, 8001 Zürich, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! bezogen oder direkt hier heruntergeladen werden.

Die Mitgliederversammlung 2009 des Vereins für das Schweizerdeutsche Wörterbuch findet am 12. Juni 2009 in Zürich statt. Nach den statutarischen Geschäften wird Dr. Martin H. Graf einen Vortrag zum Thema «Wie Wörter wandern. Pflanzennamen zwischen mundartlicher Vielfalt und historischer Tiefe» halten

Ende Februar 2009 ist die 14. Lieferung von Band 16 bzw. die 216. des Gesamtwerks herausgekommen (Wort bis Wasser). Sie enthält unter anderem den Schluss von Wort sowie dessen Zusammensetzungen und Ableitungen (wie Fürwort, Gottswort oder Schmāchwort), das damit verwandte, aber nicht direkt abgeleitete Antwort (mit antworten, auch als Rechtswort), das mit dem vorigen nicht verwandte antworten/antwürten im Sinne von 'übergeben' einschliesslich Gegenwürti, gegenwürtig, sodann Warzen/Wärzen, die grosse Wortsippe Wurz(en)/Wurzlen mit rund 140 oft volkskundlich interessanten Zusammensetzungen (wie Allharnischwurz, Hūswurz, Lendenwurz, Bënediktenwurz oder Wolfswurz), das in zahlreichen pronominalen, adverbialen und konjunktionalen Verwendungen vorkommende was, die Wortsippe Wasen 'Rasen' und schliesslich den Anfang von Wasser.

In der Sendung «Einstein» des Schweizer Fernsehens vom Donnerstag, dem 29. Januar 2009 (ca. 21.15 Uhr), wird ein Bericht über die Arbeit an unserem Wörterbuch ausgestrahlt. Die Idee für den Beitrag steht im Zusammenhang mit der letztjährigen online-Umfrage zum Wortschatz des Schweizerdeutschen. Thematisch geht es dabei auch um die Nutzung des Idiotikons für das Nationalfondsprojekt «Kleiner Sprachatlas der deutschen Schweiz».

Ein kleinerer Beitrag über das Idiotikon wird in der Sendung NZZ Format am Donnerstag, 5. März 2009 (23.15 Uhr) ausgestrahlt. 

Idiotikon-Redaktoren erklären jeden Dienstag zwischen 9 und 11.30 Uhr auf Schweizer Radio DRS 3 schweizerische Familiennamen. Alle Erklärungen können hier einzeln nachgehört werden.

Das Idiotikon: Schlüssel zu unserer sprachlichen Identität und mehr

Publikation im Rahmen des Schwerpunktes «Sprachen und Kulturen» der SAGW Eigenverlag SAGW, Bern 2008, 175 Seiten, ISBN 978-3-907835-64-7.

Aus dem Kreise der Redaktion stammen die Artikel Wörterbuchbenutzung im Spiegel der Anfragen an die Redaktion (Hans-Peter Schifferle), Lexikographie und Onomastik (Martin H. Graf) und Die Erschliessung neuer Kanäle: die Volksausgabe des Idiotikons und «Idiotikon online» (Hans Bickel). – Das Buch kann hier bestellt werden.

Anfang November 2008 ist von Band 16 die 13. Lieferung, die 215. des Gesamtwerks, erschienen (warnen bis Wort). Sie enthält unter anderem die Zusammensetzungen und Ableitungen von warnen, den Personennamen Werner, den isolierten Stunggenwerni (eine Älplerspeise), das Weberwort Wërpf (Zettel am Webstuhl), die Wortsippe von wirs (schlechter), die Wortsippe von Wurst (mit Komposita wie Chämin- und Brātwurst), den Wart (mit Komposita wie Bannwart und Zǖgwart), das Verb warten (mit seinen Zusammensetzungen von abwarten bis zuewarten), das eigentümliche Wartolf (oder Warlef, ein Fischereigerät), die Partikel wërt(s) (mit ihren zahlreichen Zusammensetzungen wie für-, hinder- oder nāchwërts), den Wirt (mit Komposita wie Kranzwirt, Stubenwirt, Taffërnenwirt und Zapfenwirt), die Wirtel oder Wirten (Gewichtssteinchen an der Handspindel und viele weitere Bedeutungen) sowie den Beginn von Wort.

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