Mitteilungen des Schweizerischen Idiotikons

Im «Beobachter» 6/2012 ist ein von Bettina Leinenbach geschriebener Artikel über das Idiotikon erschienen. Er kann hier heruntergeladen werden.

Vom 8. März bis zum 25. August 2012 präsentiert die Schweizerische Nationalbibliothek in Bern im Rahmen der Ausstellung «Sapperlot! Mundarten der Schweiz» die dialektale Vielfalt unseres Landes. Mit dabei sind die vier Nationalen Wörterbücher (darunter das Idiotikon) und das Phonogrammarchiv der Universität Zürich. Die Vernissage findet am 7. März um 18.00 Uhr statt.

Verfasst von Hans Bickel und Christoph Landolt, herausgegeben vom Schweizerischen Verein für die deutsche Sprache. Dudenverlag, Mannheim/Zürich 2012.

Diese von zwei Idiotikon-Redaktoren erarbeitete Publikation über das schweizerische Schriftdeutsch enthält u. A. eine umfassende Wortliste mit rund 3000 Einträgen sowie Übersichtsinformationen zu typischen Wortschatzbereichen, zur Aussprache, zur Rechtschreibung und zur Grammatik.

Eine öffentliche Vernissage findet am 2. März 2012, 18.00 Uhr, in der Buchhandlung Orell Füssli an der Füsslistrasse 4, 8001 Zürich (2. Stock, Abteilung Sprachen) statt.

Zur Presseinformation des Dudenverlags gelangt man hier.

Vorankündigung Kolloquium

Freitag, den 15. Juni 2012, ca. 10.00 Uhr – 17.00 Uhr, findet in der Schweizerischen Nationalbibliothek, Hallwylstrasse 15, 3003 Bern, ein Kolloquium zur Feier des 150jährigen Bestehens des Idiotikons statt.

Die Veranstaltung umfasst Vorträge zur Geschichte und zu gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen der wissenschaftlichen Lexikographie in der deutschen Schweiz. Im Rahmen des Kolloquiums findet auch die öffentliche Mitgliederversammlung des Vereins für das Schweizerdeutsche Wörterbuch statt.

Die Veranstaltung steht im Zusammenhang mit der Ausstellung «Sapperlot! Mundarten der Schweiz» in der Schweizerischen Nationalbibliothek

Das 219. Heft des Idiotikons (wisseⁿ bis wüest) ist zugleich das drittletzte des 16. Bandes. Es führt zuerst den Wortartikel wisseⁿ bzw. mundartlich meist wüsseⁿ 'wissen' weiter, zu dem mehrere Ableitungen wie Gᵉwiss(e)ni 'Gewissen' oder wissen(t)haft 'rechtmässig, offenkundig, willentlich' gehören. Gefolgt wird es von einer Reihe von Einzelwörtern sowie Kleinst- und Kleinwortfamilien, als deren wichtigere etwa die Sippe von Wisiteⁿ 'Besuch', diejenige von Wusel 'lebhafte Person' und diejenige von Gᵉwaschel 'Geschwätz' erwähnt seien. Die zweite grosse Wortfamilie der Lieferung fängt mit Wäsch 'Waschgut, Wäschestück' an und umfasst neben dem zentralen Verb wäscheⁿ 'waschen' und dessen Zusammensetzungen auch die Ableitung Wesch bzw. mundartlich meist Wösch 'Wäsche' mit zugehörigen Wörtern wie Gëltseckelwösch 'bestimmter Brauch zu Beginn oder am Ende der Fastenzeit', wöscheⁿ 'Wäsche halten' oder Trocheⁿwöscheriⁿ 'Schwätzerin'. Der mutmasslich aus dem Frankoprovenzalischen entlehnte Wīscho 'Weibel' leitet zum Wisch bzw. mundartlich meist Wüsch über, der ein von 'Bündel' bis 'Zwergschnepfe' reichendes Bedeutungsspektrum aufweist und woran sich etwa das Verb wüscheⁿ 'wischen' sowie Wüscher 'Besen, Bürste' anschliessen. Die vielen Zusammensetzungen, die in dieser dritten grossen Wortfamilie vertreten sind, seien hier durch Füdle(ch)wüsch 'Vorläufer des WC-Papiers', ūfwüscheⁿ 'aufspringen, auffahren' und Ofeⁿwüscher 'Gerät zur Reinigung des heissen Ofens vor dem Backenʻ repräsentiert. Es folgt erneut eine grosse Zahl kleiner und kleinerer Wortfamilien, von denen Wäspeⁿ 'Wespe', Wispel 'unruhiger Mensch', Wastel 'feiertägliches Brot aus Weissmehl' und wist 'nach links (als Zuruf an Zugtiere)' genannt seien. Die vierte grosse Wortfamilie endlich schliesst insbesondere das Substantiv Wuest 'Kehricht, Unkraut, Kot, Plunder, abstossendes Wesen' und das Adjektiv wüest 'öde, hässlich, schmutzig, unartig' ein.

Am 1.–2. Dezember 2011 findet im Tagungs- und Begegnungszentrum Schloss Wartensee, Rorschacherberg, der zweite internationale Workshop «Netzwerktreffen Dialektlexikographie» statt, der sich zum Ziel gesetzt hat, den lexikographischen Nachwuchs verschiedener oberdeutscher und benachbarter Wörterbücher miteinander ins Gespräch zu bringen. Die 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen aus Deutschland (Freiburg i. Br., Giessen, München), Österreich (Innsbruck, Wien) und der Schweiz (Chur, Zürich). Verantwortlich für die Planung und Durchführung zeichnen die Idiotikon-Redaktoren Martin H. Graf und Christoph Landolt.

Im «Zürcher Oberländer» vom 28. September 2011 ist ein von Gabriela Frischknecht verfasster Artikel über das Idiotikon erschienen. Er kann hier heruntergeladen werden.

Die diesjährige Mitgliederversammlung des Vereins für das Schweizerdeutsche Wörterbuch findet am Dienstag, dem 10. Mai 2011 in Zürich statt. Nach den statutarischen Geschäften werden Prof. Dr. Annelies Häcki Buhofer, Dr. Markus Gasser und MA Stefanie Meier einen Vortrag zum Thema «Das Volk schreibt mit – Entstehung, Inhalt und Wirkung des Neuen Baseldeutsch Wörterbuches» halten.

Das Idiotikon ist ab heute auch auf Facebook präsent: http://www.facebook.com/Idiotikon.

Wir trauern um

Prof. Dr. phil. Peter Dalcher, 26. April 1926 – 30. Dezember 2010

Peter Dalcher trat 1955 in die Redaktion des Schweizerdeutschen Wörterbuchs ein und leitete dieses von 1974 bis 1991 als Chefredaktor. Mit grossem wissenschaftlichem Engagement wirkte er auch weit über die Wörterbuchredaktion hinaus, etwa als Lehrbeauftragter und Titularprofessor an der Universität Freiburg i. Ü. oder in der Erforschung der Anglizismen im Schweizerdeutschen, zu denen er über viele Jahrzehnte hin eine beeindruckende Sammlung angelegt hat. Bis in seine letzten Lebenswochen hinein stellte uns Peter Dalcher seine Erfahrung und sein Wissen als kritischer, geistreicher und immer auch humorvoller Mitleser der Wörterbuchmanuskripte zur Verfügung. Wir werden eine Persönlichkeit in Erinnerung behalten, die uns durch ihre Bescheidenheit und Grosszügigkeit gleichermassen beeindruckte.

Nach oben