Cholera

Wer im Wallis in den Skiferien war, kennt die Cholera zumindest von der Menükarte her, und vielleicht hat er/sie sich vielleicht sogar getraut, das Gericht zu bestellen. Es handelt sich dabei um eine Speise, die heute aus Teig, Lauch, Kartoffeln, Käse und Äpfeln besteht; laut dem «Schweizerischen Idiotikon» wurde der Teig im 19. Jahrhundert hingegen lediglich mit geschnittenen Äpfeln und Käsescheiben belegt, diese dafür gerne mit Zucker bestreut. Betty Bossi und Annemarie Wildeisen erzählen hierzu die hübsche Geschichte, dass das Gericht während der Cholera-Epidemie von 1830 entstanden sei, als man dasjenige kochen musste, was Haus und Garten hergaben. Doch das taten die Bäuerinnen ja ohnehin, und man muss kein Wissenschafter sein, um eine solche Erklärung zu bezweifeln.

Das Dumme ist nur, dass auch die Sprachwissenschaft Probleme mit dem Wort hat. Die Nähe zu «Kohle» drängt sich zwar auf, aber die Endung «-era, -ere» verweist in der Alemannia gewöhnlich auf etwas, das gehäuft vorkommt. So bedeutet beispielsweise der Flurname Farnere, dass an diesem Ort viel Farnkraut wächst (oder früher wuchs). Tatsächlich bezeichnet Cholära im Lötschental den Ort im Backhaus, wo die Kohle aufbewahrt wird. Man wird deshalb am ehesten von einer Bedeutungsübertragung ausgehen müssen: Da die Pfanne mit dem Essen darin früher direkt in die Kohle gestellt wurde, dürfte der Begriff von der Kohlenanhäufung auf die Speise übergegangen sein. So wirklich elegant ist diese Erklärung vielleicht nicht, aber immer noch besser, als eine Essware mit einer Seuche zu verbinden. Oder hat schon einmal jemand eine «Pest» gegessen?

(24. Februar 2016, CL)

 

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