Das Giritzenmoos

Es gibt in der Schweiz eine kahle Heide, die mit Disteln, verkrüppelten Bäumen und Stauden bestanden ist, wo rotes Flööschwasser (abgestandenes Wasser) dümpelt, Näschpli (Mispeln) und Brambeeri (Brombeeren) wachsen und einen die Brääme (Bremsen) plagen – das Giritzenmoos! Dort halten sich die verstorbenen Jungfrauen und Jünglinge als Strafe für ihre Ehelosigkeit auf. Die einen sagen, die ledig Verstorbenen würden sich in Kiebitze – im Dialekt Giritz – verwandeln, nach Meinung anderer spazierten sie auf dem Moos (Ried) als verdorrte Jungfrau oder ständdürrer Jüngling umher. Wieder andere wollen wissen, was sie dort machen müssten: alte Hosen blätzen, Sägemehl knüpfen, Hosenläden kauen, Linsen spalten, Wolken beigen...

Viel Schabernack trieb man mit den Ledigen an der Fasnacht. Man lud sie etwa auf einen Wagen, führte sie auf die Allmende hinaus und kippte den Wagen um. Oder man veranstaltete einen Maskenball und versteigerte die alternden Jungfrauen. Oder das Giritzengericht klagte den ältesten Junggesellen an, und wenn sich dieser schlecht verteidigte, hängte man ihm den Schlüssel zum Giritzenmoos um.

Man merkt’s deutlich: Der Idiotikon-Artikel zum Giritzenmoos basiert auf Quellen des 19. Jahrhunderts, als es nur anständige Verheiratete und merkwürdige Ledige zu geben schien. Wir können deshalb nicht sagen, wo die KonkubinatspartnerInnen, eingetragenen PartnerInnen, überzeugten Singles und glücklich Geschiedenen enden werden...

(30. Oktober 2015, CL)

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok