Berner Rose, Eppeeri-Öpfel, Suurgraucher & Co.

Über 600 Mundartnamen für alte Apfelsorten enthält der erste Band des Idiotikons aus dem Jahr 1881, darunter so schöne wie Babeli-Öpfel, Chüechli-Öpfel, Eppeeri-Öpfel, Hans-Ueli-Öpfel, Pfundöpfel oder Usteröpfel (auch Chrydebüchsler genannt). Die frühreifen Augst(en)öpfel, Klaröpfel und Grafesteiner sind damals als Sorten gerade neu aufgekommen, ebenso die beliebten Berner Rose, Glogge- und Boonöpfel. Im späten 19. Jahrhundert war der Usteröpfel die verbreitetste Apfelsorte im Kanton Zürich.

Viele alte Namen haben die Endung ‑(a)cher- oder‑eker/‑iker: Breitacher/Breitiker, Grau(a)cher/Gräueker/Grooniker, Grüenacher, Wyssacher usw. In dieser Endung steckt das alte Wort Acheren für «Baumfrucht», das vor über 1600 Jahren schon von Wulfila in seiner berühmten gotischen Bibelübersetzung gebraucht wurde: bi akranam ize ufkunnaiþ ins «an ihren Früchten erkennt ihr sie» (Mt 7.16). Im heutigen Schriftdeutsch ist «Buchecker» für die Frucht der Rotbuche der letzte Nachkomme dieses Wortes.

Ein Sprichwort aus dem Zürcher Oberland windet dem Grauacher ein Kränzchen: Wän äine de Morge und z Oobig en Grooniker isst, so stirbt er under Tage nüd. Wenn es nicht deutlich früher bezeugt wäre, könnte es eine Abwandlung des heute omnipräsenten «An apple a day keeps the doctor away» sein...

(25. September 2015, HPS/CL)

 

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