Am Grümpelturnier mit einem Stängeli butze

Es ist wieder Fussballzeit. Nachdem wir während der Euro 2012 über das aus dem Englischen stammende tschute, schute geschrieben haben (Wortgeschichte Nr. 11), wollen wir uns anlässlich der WM 2014 ein paar einheimischen Wortschöpfungen zuwenden.

Beginnen wir mit dem Schuhwerk. Der mit Gummi- oder Schraubstollen versehene Fussballschuh heisst in der Deutschschweiz Töggelischue. Im Erstglied dieses Worts steckt das Verb töggele, das soviel bedeutet wie ‘spielen, tändeln, herumspringen’; als Ableitung von Toggel ‘Plaggeist, Nachtgespenst’ hat es aber eine verwinkelte Herkunftsgeschichte. Töggele tut man auch am Töggelichaschte, dem Tischfussballtisch. Einen Tischfussballmatch gewinnt immer die Mannschaft, die zuerst zehn Chischte ‘Tore’ erzielt hat. Gezählt werden sie mittels der zehn an einer kleinen Metallstange aufgereihten Kugeln – weshalb auch im «richtigen» Fussball ein Sieg mit zehn Toren  Stängeli heisst. Was beim Tischfussball (fast) die einzige Schusstechnik ist, hat im «richtigen» Spiel einen schlechten Ruf: die Spitzguuge oder der Spitzgagel, der mit der Fussspitze abgefeuerte Schuss. Eine Guuge ist etwas Aufgeblasenes oder etwas, womit man bläst; das alte Verb spickguuge meint denn auch ‘ein Kügelchen durch ein Rohr blasen’. Vielleicht hat die Spitzguuge also ihren Namen von der nicht anders als fadegraad möglichen Flugbahn. Der Gagel im Spitzgagel ist wörtlich das kugelförmige Exkrement von Tieren, in der Soldatensprache die Artilleriegranate, und von hier aus ist es natürlich nicht weit zum häufig auch sehr martialischen Fussballjargon. Meist nicht viel Fussballzauber wird an einem Grümpelturnier (abgekürzt Grümpi) zelebriert, einem Amateurturnier, das seinen Namen urspünglich von Schützenfesten hat, an denen um Grümpel ‘kleine, wenig wertvolle Gegenstände, Gerümpel’ geschossen wurde. Mit Grümpel ist also nicht die Qualität der Spielweise gemeint, sondern das Wenige, das es für den Sieger zu gewinnen gibt. Ob an einem Grümpelturnier oder an der WM: Der Sieger butzt, der Verlierer wird abtröchnet. Butze ‘reinigen’ erhielt in seiner verschlungenen Wortgeschichte schon früh Nebenbedeutungen wie ‘abfertigen’, und vom transitiven Gebrauch ‘einen Gegner bewältigen’ war es nicht mehr weit zum intransitiven ‘siegen’. Abtröchnet wird der Gegner bei einer besonders ärgerlichen oder schmerzhaften Niederlage, die Metapher hiess ursprünglich jemanden mit Fäusten abtrocknen, also ‘verprügeln’. Hoffen wir aber auf wenig Fäuste und viel Fairplay an der WM!

(18. Juni 2014, MHG)

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok