Wie man vor 500 Jahren gefrotzelt und beleidigt hat...

Wie hat man eigentlich vom 14. bis 17. Jahrhundert herumgefrotzelt und andere beleidigt? Deftig, kann man nur sagen... Die Zitate stammen aus Zürcher Gerichtsprotokollen, sofern nichts anderes bemerkt ist; Worterklärungen finden sich ganz unten.

Den Anfang macht Johannes Mahler in seinem 1620 aufgeführten „Spiel von St. Stanislaus“:
Mir wendt gon sauffen ritterlich, das bintzen wachsendt in dem maul.

Gröber sind die Beschimpfungen, derentwegen man sich vor Gericht wiederfand:
[Der Gefangene habe] zuo einem under denen, so inn gfüert, gsagt, wenn er widerumb ledig werde, welle er ime, wie dißern kätzern allen, das liecht ablöschen (1601).
Ich tritt dich in den buch, daß dir das kat und die tärm zum ars us gat (1423).
Er sölle ussgelassen haben, wann sy im wurde, welte er iro ein schlappen geben, das iro die kuttlen under den füessen liggen müesstind (1541/3).
Gang und erschiß dich, wetten kat gat es dich an (1432).
Er, Kästli, [habe] den, so ims guoter meinung geweert – reverenter ze melden –, heißen inns füdli blaßen, und [habe ihn] dartzuo für das huß ußhin gladen, da welle er mit im houwen (1601).
Krottmenli! Herdmenli! Er solle iren fünff pfund kuder in arß blasen (1584, Chorgericht Ins).

Die obszönsten Beschimpfungen enthalten Wörter, für welche die unten gegebenen Erläuterungen ganz hilfreich sind:
Du zers-futt-schelm, daz dich das vallend übel angang! (1420).
Er sye ein gehigender zers-futt-schelm, und sider er die zers-futt-pfaffen-huoren hab, so künne nieman mit im ze recht komen (1421).
Daruf der F. antwurte, wenn meister H. redte, daz er die 14 guldin nit sölt, so het er ein esel ghyt (1482).
Das gehig dich in diner muoter switz, du zers-leker! (1436).
Do sprach der W. zuo im: Der tüfel gehy dich und füdloche dich (1394).
Welcher dem andern under augen spricht: böswicht; schelm; gehy dyn muotter; du lügst; du hast es erhyt oder verlogen, soll 5 pfund pfennig (15. Jahrhundert, Glarus)

Was man im frühen 16. Jahrhundert im Heiligen Land von den europäischen Pilgern hielt, überliefert uns Heinrich Stultz:
Zuo zitten hattent sy eim den ars dar und liessent ein furcz gegen eim (1519).

Auch die deutschen Landsknechte dachten nicht sehr nett über die Schweiz und sagten, sie würden’s mit den Kühen treiben:
Vil schantlicher wort und werk, so die lanzknecht den Eignossen zuoleitend, wie si alle kuogehier, unkristenliche lüt und böser denn die Türggen werind, malotend Schwizer hinder die kuo, als ob die kezerwerch tribind, [und sagten, dass sie] die Eignossen uff die kuomüler schlachen und sich an inen rechen wöltind (1508/16, Brennwald-Chronik).
Die Schweitzer sind in Picardei zogen / Si hand vil großer küe usgsogen  / Demnach sind sy dainnen gstorben / Ist menge kuo zur wittwen worden (1546, von Myconius an Bullinger mitgeteilt).

Was etliche Zürcher Männer von den Frauen aus dem Zürcher Oberland hielten, erhellt sich aus dem Folgenden:
[Sie hätten] im fürgehalten, er hette eins meytli uß Grüeninger amt genommen, die ließind sich über ein jede karenleysen legen (1545).

Wehrlos waren die Frauen aber nicht unbedingt:
[Eine Frau wollte dem Mann die „ehelichen Werke“ nicht gestatten] zu ihm sagende, wan er sy darzu zwinge, wollte sy ihme eher ein Messer in den Lyb stecken, sy möge des Këtzers Füdliwerchs – reverenter – nichts (1676).

Inzwischen ist der Wortgeschichten-Schreiber bis über beide Ohren rot angelaufen und verspricht, das nächste Mal wieder über ein ganz anständiges Thema zu schreiben!

Worterklärungen
binz: Binse – kât: Exkrement, Dreck – wann sy im wurde: wenn er sie erwische – erschîssen: sich auskacken – wetten: was für ein, welch – ledig: frei – reventer (ze melden): mit Verlaub (gesagt) – herdmännli: Zwerg – kûder: Werg, Abfall von Hanf und Flachs – zers: Penis – fud (futt): Vulva – schelm: Betrüger, Schurke, Gauner – vallend übel: Epilepsie – gehîen (gehyen, ghyen, gehîgen): begatten; Unzucht treiben – [einen Geldbetrag] sollen, söllen: schuldig sein – schwitz (switz): Schweiss – lecker (leker): Schmarotzer, Nichtsnutz uä. – füdlochen: penetrieren – kuo-gehîer: Sodomit – malotend: (sie) malten, zeichneten – ketzerwerch trîben: (hier:) Sodomie betreiben – karrenleise: Wagenspur in der Fahrstrasse, im Fahrweg – füdliwerch: Geschlechtsverkehr

(12. Juni 2014, CL)

 

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