Säit öpper öppis? ötschwär ötschis? etter ettis? näber näbis? eswär eswas? einwär einwas?

Säit öpper öppis? oder ötschwär ötschis? etter ettis? näber näbis? eswär eswas? einwär einwas? Der schweizerdeutsche Wortschatz zeigt sich im Bereich der Indefinitpronomen „jemand“, „etwas“, „etwa“, „irgendwo“, „irgendwann“ und so weiter geradezu exotisch.

Das verbreitete öpper ,jemand‘, öppis ,etwas‘, öppe ,etwa‘ bzw. epper, eppis, eppe, das werdenbergische ötschwär, ötschis, ötsche, das Glarner etter, ettis, ette und das Walliser bzw. Walser eswär, eswas, eswa gehen alle, zusammen mit dem hochdeutschen etwas und etwa, auf dieselbe Grundlage zurück, nämlich althochdeutsch eddes-hwër, eddes-hwaz, eddes-hwâ. Die Vorsilbe eddes- ist nicht ganz klarer Herkunft, aber wahrscheinlich liegt Verwandtschaft mit althochdeutsch eddo, odo ,oder‘ vor. Die genannten Dialektvarianten basieren auf verschiedenen Kürzungen dieser Vorsilbe und Verschmelzungen der Laute t + w.

Recht abenteuerlich ist die Herkunft des oben in seiner st.gallisch-appenzellischen Lautung zitierten näber ,jemand‘, näbis ,etwas‘, näbe ,etwa‘. Weitere Varianten sind etwa süd-st.gallisch nämer, ostthurgauisch naamer sowie urnerisch, unterwaldnerisch und berneroberländisch näiwer, nöiwer und ähnlich. In der Bedeutung ,irgendwo‘ ist dieser Typus als näime oder nöime auch im Mittelland gut vertreten. Sprachgeschichtliche Grundlage ist fast ein ganzer mittelhochdeutscher Satz, nämlich ih ne-weiz wër bzw. ih ne-weiz waz, ih ne-weiz wâ, was ,ich weiss nicht wer (bzw. was, wo)‘ bedeutet.

Am isoliertesten sind ei(n)wër ,jemand‘, ei(n)was ,etwas‘. Sie kommen, zusammen mit ei(n)wäder ,eines von beiden‘ und ei(n)wenn ,irgendwann‘, im Prättigau vor; die Nordostschweiz wiederum kennt mit „ welch“ zusammengesetztes eiwel (und ähnlich) ,irgendeiner; manche‘. Die Vorsilbe ist hier althochdeutsch ein, das zuerst ,irgendein‘ bedeutete und später zum unbestimmten Artikel (etwa in ein Haus) wurde.

Kurz: Unser öppis, ötschis, ettis, eswas ist eigentlich ein „oder-was“, unser näbis ein „ich-weiss-nicht-was“ und unser einwas ein „irgendein-was“. Und weil sich das schriftdeutsche irgend im Schweizerdeutschen nun auch breit macht, sei noch dessen Herkunft mitgeteilt: Es kommt von althochdeutsch io-hwer-gin, einer Zusammensetzung von io ,immer‘, hwar ,wo‘ und dem Unbestimmtheit ausdrückenden gin. Modernes irgendwo bedeutet also eigentlich etwa „immer-wo-irgend-wo“ – ist also im Vergleich zu unseren schweizerdeutschen Varianten etwas doppeltgemoppelt...

(22. Mai 2014, CL)

 

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