Der Ginöffel ginöfflet

Zwei der wunderlichsten schweizerdeutschen Wörter sind der Ginöffel oder Ginöff einerseits und das dazugehörige Verb ginöffle anderseits. Die Bedeutung von ginöffle ist „gaffen, glotzen; mit offenem Mund dastehen, Maulaffen feilhalten; neugierig die Nase strecken“, und ein Ginöff(el) ist ein „Tölpel, dummer Kerl“. Die sprachgeschichtliche Herleitung ist nicht ganz einfach. Im vorderen Teil der Wörter dürfte gyne, ginne stecken, was „klaffen; das Maul aufsperren; gähnen“ bedeutet und in mehreren deutschen Dialekten und germanischen Sprachen so oder ähnlich bekannt ist. Der hintere Teil könnte auf das von Personennamen bekannte, aus -wolf verkürzte -olf zurückgehen (vgl. Rudolf, Adolf usw.), das auch ausserhalb des Namenbereichs Anwendung fand. So kannte das Mittelhochdeutsche den ginolf, was den (mit offenem Mund dastehenden) Narren bezeichnete. Es mag sein, dass unser Ginöffel noch eine Erinnerung hieran ist.

Neben dem Typus auf -öff(el), -öffle gibt es übrigens auch denjenigen auf -aff, -affle. Der Ginaff ist „jemand, der viel gähnt“, ginaffle meint „mit weit offenem Mund und Augen müssig, dumm, neugierig dastehen, glotzen, gaffen“, und ginaffe heisst „offen stehen, zum Vorschein kommen“. Diese Varianten stellen wohl einen sekundären Anschluss an Aff „Affe“ dar und dürften somit Umdeutungen der obigen Formen sein.

So oder so – es wird einmal mehr deutlich, wie kreativ und vielfältig Sprache ist!

(5. Februar 2014, CL)

 

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