Wimmet und wimmen

Er hat schon angefangen: der „Wimmet“, „Wüm(m)et“, „Wimlet“ oder „Wümlet“, und viele fleissige Leute stehen in den Rebbergen, um zu „wimme“, „wüm(m)e“, „wimle“ oder „wümle“. So sagt man in der östlichen Hälfte der Deutschschweiz und, räumlich isoliert, in der Variante „wimde, wimdu“ auch im Wallis dem Ernten der Trauben. In den andern Landesgegenden spricht man hingegen von „läse“ und „Läset“ oder von „herbschte“ und „Herbscht“. Das Verb „wimme“ uä. geht über verschiedene ältere Zwischenstufen auf lateinisch „vindemiare“, die Weinlese halten, zurück. Es handelt sich dabei um eines derjenigen lateinischen Wörter, die im Zusammenhang mit der Übernahme römischer, den Germanen vorher noch unbekannter Kulturtechniken schon sehr früh ins Deutsche gelangt sind. Andere Beispiele – die es, anders als „wimme“, in die deutsche Gemeinsprache geschafft haben – sind „Wii/Wein“ (lat. vinum), „Muur/Mauer“ (lat. murus; die Germanen kannten nur die aus Zweigen geflochtene und mit Lehm verklebte „Wand“), „Ziegel“ (lat. tegula; die Germanen kannten nur Stroh-, Erdsoden- und Holzdächer) oder „Fäischter/Fenster“ (lat. fenestra; die germanischen Häuser hatten lediglich das ins Dach eingelassene „Windauge“, vgl. englisch „window“). (3. Oktober 2012, Christoph Landolt)

 

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