Jeans, Chöltsch, Galli und andere Stoffnamen

Die Tuch- oder Stoffnamen zeichnen eine ganze Geographie nach. Kaum nötig zu erklären ist „Manchester“ (bundesdeutsch: Cord), das an die einst blühende Textilindustrie der gleichnamigen englischen Stadt erinnert. Nur wenig bekannt dürfte hingegen sein, dass „Jeans“ auf den (gleich ausgesprochenen) englischen Namen „Genes“ für die italienische Handelsstadt Genua zurückgeht. „Denim“, der Baumwollstoff, aus dem die ersten Jeans hergestellt wurden, meint eigentlich „de Nîmes“, also „(Gewebe) aus Nîmes“. Im schweizerischen „Chöltsch“ für den farbig karierten oder gestreiften Baumwoll- oder Leinenstoff steckt der Name der bedeutenden mittelalterlichen Handels- und Fabrikationsstadt Köln. Das ältere Schweizerdeutsch kannte auch „Lündsch“ oder „Lündisch“ für ein feines Wolltuch, das sich auf den Namen der britischen Hauptstadt London bezieht. In „Damast“, einem feinen Gewebe mit eingewobenem Muster, verbirgt sich der Name der syrischen Stadt Damaskus. Und „Galli“, älter schweizerdeutsch für einen dünn geschlichteten groben Baumwollstoff, verweist sogar auf den indischen Seehafen Kalikut. Tuchnamen zeigen sehr schön, dass auch die ältere Zeit schon globalisiert war...

(7. November 2012, CL)

 

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