tschau, Binätsch, Fazeneetli und anderes Italienisches im Schweizerdeutschen

Heute kommen wir zu einigen italienischen Lehnwörtern im Schweizerdeutschen. Wir können hier zwei Gruppen unterscheiden: Jüngere, die über Gastarbeiter in die Schweiz gekommen sind, und ältere, die auf Handelsbeziehungen mit der Lombardei verweisen.

Zur ersten Gruppen gehört der Abschiedsgruss (oder das Begrüssungswort) „tschau“. Es geht auf eine Dialektvariante von italienisch „schiavo“, Sklave, zurück und ist eigentlich eine Verkürzung der Wendung „(ich bin Ihr) Sklave/Diener“, wie übrigens auch das gleichbedeutende, in Österreich übliche „Servus“. Ein anderes jüngeres Lehnwort hat in der Deutschschweiz eine neue Bedeutung bekommen: Ausgehend vom Spielruf „cinque la mora“ – „mora“ oder „morra“ ist ein Fingerspiel, bei dem die Anzahl gestreckter Finger zu erraten ist – entstanden hierzulande die abwertend verwendeten Wörter „Tschinggelemoore“ und „Tschingg“ für „Italiener(in)“.

Zu der Gruppe der alten Lehnwörter gehört etwa das Innerschweizer, Zürcher und Ostschweizer Wort für „Spinat“, nämlich der „Binätsch“, dem italienisch „spinacio“ zugrunde liegt. Auf die Innerschweiz beschränkt ist „Kantrum“ für „Kommode“, das von italienisch „cantarone“ stammt. Wohl fast überall veraltet ist das einst weithin bekannte „Fazeneetli“, ein Wort für das Taschentuch, worin italienisch „fazzoletto“ steckt. Gewisse Lehnwörter können sowohl aus dem Italienischen wie aus dem Rätoromanischen übernommen sein. Zu diesen gehört das besonders in der Inner- und Südostschweiz bekannte „Spuuse, Gspuuse, Spuusi“ u. ä. für „Braut, Schatz“, das über rätoromanisch bzw. lombardisch „spus(a)“, „spos(a)“ auf lateinisch „spōnsus, -a“, Bräutigam bzw. Braut, zurückgeht.

(21. November 2012, CL)

 

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