Chuenagel (Unagel, Unigler, Hornagel, Hurnigel)

Der Winter ist die Zeit, in der man denChuenagel“ (oder „Chunagel“, „Unagel“, „Unigler“, „Hornagel“, „Hurnagel“, „Hurnigel“) haben kann: den stechenden Schmerz in den Fingerspitzen, den man fühlt, wenn man bei eiskaltem Wetter in die warme Stube tritt.

Im hintern Teil des Wortes steckt vermutlich ein Wort für „spitzig“, man vergleiche etwa „Agle“ oder „Agne“ (Hanf- oder Flachssplitter, Spelze, Tannennadel), „Ägerschte“ (Elster, eigentlich „die mit dem spitzen Schwanz“), „Egli“ (Flussbarsch, eigentlich „der mit der spitzen Rückenflosse“) sowie die Egge und die Ecke.

Zum vordern Teil des Wortes kann man hingegen nur Hypothesen aufstellen, es ist nicht einmal klar, ob es sich um ein einziges, stark variiertes Wort oder aber um verschiedene Wörter handelt. Falls „Horn-agel“ die ursprüngliche Form des Wortes ist, wie die Idiotikon-Redaktoren vor über hundert Jahren erwogen, dann bezieht sich „Horn“ am ehesten auf den Fingernagel, und alle andern Varianten wären Umformungen. Solche können leicht entstehen, wenn ein Begriff nicht mehr durchsichtig ist. „Chuenagel, „Unagel, „Hornagel usw. würden damit alle wörtlich „Nagelstechen, Nagelschmerz bedeuten. Falls man aber der Meinung ist, dass im Vorderglied verschiedene Wörter stecken, dann könnte man, wie es Christian Schmid in seinem Buch „Durchs wilde Wortistan“ (2004) macht, im ersten Teil von „Chuen-agel“ ein Wort sehen, das mit hochdeutsch „kühn“ identisch ist. Allerdings passen dessen alt- und mittelhochdeutschen Bedeutungen „tapfer, kräftig, kampfeslustig“ nicht so recht zu unserm Wort, und die Bedeutung des verwandten englischen „keen“, auf die sich Schmid bezieht, nämlich „scharf, schneidend“, ist für das Deutsche nicht nachzuweisen. Eine weitere Idee, nämlich im vordern Wortteil von „Un-agel“ ein bedeutungsverstärkendes „Un-“ zu sehen (vgl. etwa „ugross“ für „sehr gross“), wonach „Unagel“ also „starkes Stechen“ bedeuten würde, hatten schon die Idiotikon-Redaktoren zur Diskussion gestellt, aber sogleich selbst wieder in Frage gestellt. Der „Horn-, Un-, Chuenagel“ behält sein Geheimnis also für sich... 

(6. Februar 2013, CL)

 

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