Runzival

Ein wunderschönes und zugleich geheimnisvolles Berner Wort ist der „Runzival“. „Im Runzival sy“ oder „i Runzival choo“ meint „in der Klemme, in arger Verlegenheit, in (ökonomischen, sozialen, moralischen) Schwierigkeiten sein“ bzw. in solche kommen. Wer als Literatur- oder Musikkenner einen fernen Anklang an den Parzival heraushört, liegt gar nicht so falsch: Auch der Runzival hat mit altfranzösischer und mittelhochdeutscher Literatur zu tun, nämlich mit dem sog. Rolandslied. In dem „tal ze Runczifal“, wie es in einem Schweizer Volksbuch von 1475 heisst, geriet der stolze Roland in einen Hinterhalt muslimischer „Heiden“ und fand zusammen mit seinen zwölf Recken nach langem und heldenhaftem Kampf den Tod. Historisch freilich verlief die Sache etwas anders: Es waren die örtlichen Basken, welche im Jahre 778 die Nachhut eines Truppenzuges Karls des Grossen, die vom bretonischen Grafen Roland angeführt wurde, beim Pyrenäendorf Roncesvalles massakrierten. Aber wie auch immer: Die Begebenheit hatte eine derart nachhaltige Wirkung, dass die Erinnerung daran via altfranzösische und mittelhochdeutsche Literarisierung selbst in der schweizerischen Volkssprache lebendig geblieben ist.

Ebenfalls eine Erinnerung an einen literarischen Helden ist das Basler „Ammedyysli“; hiervon war in der Wortgeschichte Nr. 7 vom 16. Mai 2012 die Rede...

(13. März 2013, CL)

 

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