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Gänggeliwaar

Vom letztwöchigen „Gschmöis“ kommen wir nun zur „Gänggeliwaar“ (oder „Ganggeli-“, „Ganggerli-“, „Gänggerli-“, „Gäggeli-“, „Gääggeliwaar“ bzw. „-züüg“), was Kleinkram, Krimskrams, wertloses oder unnötiges Zeug, billiger Schmuck bedeutet. Nicht selten hört oder liest man, das Wort gehe auf französisch „quincaille“ = Haus- und Küchengeräte, Eisenwaren zurückt. Dem ist aber nicht so. Das Schweizerdeutsche kennt eine grosse Wortfamilie mit Begriffen wie „gangge“ = schwanken, „gangg(e)le“ = schlendern, närrisch tun, „gängg(e)le“ = ohne Eifer arbeiten, trödeln, sich mit unnützen Dingen abgeben, sich wie ein Kind verhalten, „gangg(e)lig, gängg(e)(r)lig“ = läppisch, einfältig, wackelig, langsam, wertlos, „Ganggel, Gänggel“ = närrischer Mensch, ferner „gäägge, gäggele“ = ohne Ernst und Fleiss arbeiten, trödeln, „Gääggi“ = langsamer, zaghafter Mensch, Narr, „gaagge, gaage, gaagele“ = schwanken, schlenkern, schaukeln. Diese Wörter gehören alle in den Bereich des sogenannt Lautmalerischen und drücken ein Schwanken, ein Baumeln, ein Tändeln, ein Trödeln und demzufolge ein Unseriös-Sein, ein Liederlich-Sein, ein Wertlos-Sein aus – auch die „Gänggeliwaar“ gehört in diese Kategorie des minder Geschätzten. Weiten wir die Wortfamilie aus und ziehen neben den Wörtern mit „a“ und „ä“ im Stamm auch diejenigen mit „i“, „u“ und „ue“ hinzu, wird das Bild noch umfassender. Hier kennt das Schweizerdeutsche beispielsweise „Ginggel“ = etwas Herabhangendes (wie Ohrgehänge oder Penis), oberflächlicher Mensch, wertloses Kinderspielzeug, „gingg(e)le“ = baumeln, sich herumtreiben, „gingge“ = mit den Beinen schlenkern, mit dem Fuss ausschlagen, „Gunggel“ = etwas Baumelndes (wie Quaste, Glöcklein, Gefäss mit Henkel, Penis), „Gunggele“ = Viehschelle, liederliche Person, „gungg(e)le“ = baumeln, schaukeln, wackeln, „Guenggi“ = desinteressierter Mensch. Man kann über die Farbigkeit und Aussagekraft unserer Mundarten nur staunen!

(30. Januar 2013, CL)